Literatur

Webtipp: Dichterlesen.net – Literaturräume zu deutschen Themen

Literatur, interessante Literatur, dient nicht nur zur Unterhaltung, sie dient auch als Zeitzeuge, selbst wenn sie fiktional ist. Und wenn wir als Leser uns darauf einlassen, können wir viel lernen. Über ein Stück Geschichte, über fremde Kulturen, andere Lebensentwürfe, private und politische Krisen.

Doch mir fällt es häufig schwer, mich daheim, gemütlich in mein Bett gekuschelt, alleine mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Wo fange ich an und wo mache ich weiter? Welcher Autor hat es geschafft, das Thema so einzufangen, dass ich es in all seinen Facetten verstehe? Mir fehlt eine führende Hand, die mich von Autor zu Autorin führt und das Gelesene mit wenigen, aber entscheidenden Fakten untermauert. Ein Raum, in dem ich mich in Ruhe umsehen kann. Auf Dichterlesen.net entstehen genau solche Räume.

 

Literaturräume zu deutschen Themen

Das Onlineportal Dichterlesen.net ist ein gemeinsames Projekt des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB) und des Deutschen Literaturarchivs Marbach (DLA). Generell ist es Ziel des Portals, Audio-Aufnahmen von literarischen Veranstaltungen der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Doch die Betreiber der Seite sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben so genannte Räume geschaffen, für die jeweils eine Autorin und ein Autor Material zu bestimmten Themen ausgewählt, aufbereitet und zusammengestellt haben. So entstanden bisher zwei strukturierte Sammelsurien mit Bild- und Tonmaterial, Textexponaten und Autorenporträts.

Julia Schoch und Marcel Beyer haben sich mit Literatur auseinandergesetzt, die sie als Literatur der Mauerrisse bezeichnen. Dabei werden nicht einfach Autoren aus Ost und West nebeneinander aufgelistet, sondern ganz konkrete Themen aufgezeigt: beispielsweise der Mauerbau als „Die Nacht der Nächte?“, die literarische Verarbeitung der Ereignisse, aber auch Verrat unter Kollegen.
Der Raum ist parcoursartig aufgebaut, wie bei einem Spinnennetz werden die Vernetzungen der Beiträge deutlich. Das ist interessant, aber manchmal leider etwas umständlich handhabbar.

Der zweite Raum trägt den Titel Unterhaltungen deutscher Eingewanderten. Marica Bodrožić und Deniz Utlu sind die Autoren, die diesen Raum mit Inhalten füllten. Bereits ihre Namen lassen erahnen, dass sie nicht auf urdeutsche Wurzeln zurückblicken können und daher geradezu prädestiniert sind, sich mit den verschiedenen Aspekten der Migrationsliteratur auseinanderzusetzen: das Heimatlose, das Erkämpfen einer eigenen Sprache und was diese über einen verrät, die Literatur als Spiegel des Erlebten, aber auch die Rezeption der Werke, die als deutsche Literatur gelten und dann doch wieder irgendwie nicht.
In diesem Raum hat man sich für eine konservative Anordnung der Inhalte entschieden, einen Überblick erhält der Nutzer über das Inhaltsverzeichnis. Das nimmt dem Raum natürlich das Parcoursartige, ist aber deutlich einfacher zu nutzen.

Aufmerksam auf diese Seite wurde ich durch ein Seminar an meiner Universität, das von einem der Initiatoren der Seite geleitet wurde. Im Rahmen einer Abendveranstaltung im DLA Marbach  zu dem Thema durfte ich außerdem Marica Bodrožić und Deniz Utlu erleben. Während die Räume bereits sehr für sich sprechen, bestätigte mir diese Begegnung nochmal, mit welcher Hingabe sich die Beteiligten  den Themen gewidmet hatten. Man konnte spüren, dass jeder einzelne Beitrag mit Sorgfalt ausgewählt und einem Themenkomplex zugeordnet wurde.

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