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Vincent Van Gogh: Auf Leinwand und Kinoleinwand

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Vincent Van Gogh zählt zweifellos zu den bekanntesten Malern, die je gelebt haben. Auch wenn einige ihn erstmal nur als den „Typ, der sich ein Ohr abgeschnitten hat“ identifizieren, haben sie immerhin seinen Namen gehört. Seine Bilder haben einen unverwechselbaren Stil, den sogar ein Kunstmuffel wie ich erkennt. Tatsächlich würde ich sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Van Gogh der einzige Maler ist, dessen Kunstwerke mich ehrlich faszinieren. Seine Ausdrucksweise, sein Umgang mit Farben und die transportierten Emotionen sprechen etwas in mir an.

 

Van Goghs Kunst: Das Van Gogh Museum in Amsterdam

Van Goghs Kunstwerke sind heute rund um die Welt verteilt. Die größte Sammlung seiner Werke bietet das Van Gogh Museum in Amsterdam mit rund 200 Gemälden und 400 Zeichnungen. Während meines Kurztrips nach Amsterdam konnte ich mir das nicht entgehen lassen.

Es gibt natürlich zahllose andere Möglichkeiten, Van Goghs Kunst zu konsumieren. Kunstbände sind voll davon, seine bekanntesten Motive zieren alles Mögliche von Postkarten bis Handyhüllen. Doch es liegen Welten dazwischen, ein Bild zu kennen, und tatsächlich davor zu stehen. Das Raumkonzept im Van Gogh Museum gibt den Werken die Möglichkeit, für sich allein zu stehen und so ihre ganze Wirkung zu entfalten. Zwar ist das Museum gut besucht und man erwischt garantiert keinen Moment allein vor einem Bild. Aber während meines Besuchs waren die Grüppchen klein genug, dass ich mit etwas Geduld – und ja, mit ein wenig Dreistigkeit – stets ganz nah an die Bilder herankam, die ich sehen wollte. Ich kann wirklich jedem nur ans Herz legen, einmal im Leben ein echtes Van Gogh Bild aus nächster Nähe zu betrachten. Ich hätte vor meinem Besuch im Museum nicht gedacht, dass ich eine solche Faszination für die einzelnen Pinselstriche entwickeln könnte; für ihre Plastik, die die Motive beinahe dreidimensional werden (nicht nur wirken) lässt, und für die Farben, die von Nahem beinahe zu bunt und fehlplatziert erscheinen, und sich dennoch perfekt ins Gesamtbild einfügen.

© Vincent Van Gogh, Zelfportret, Foto: Jan-Kees Steenman

Mir gefiel, wie das Museum mühelos durch Van Goghs Leben und Arbeit führt. Die Ausstellungsräume sind nach Schaffensphasen gegliedert, jeweils mit einem Einführungstext zu der entsprechenden Phase in Van Goghs Leben. Einflüsse dieser Lebensabschnitte sind ebenfalls repräsentiert. So ergänzen Gemälde von Künstlern wie Monet oder Gauguin die Ausstellung an den entsprechenden Stellen. Auch Briefe, die Van Gogh schrieb, sind abgedruckt und werden auf Knopfdruck vorgelesen. Wer selbstständig durch das Museum schlendert, sollte Niederländisch oder Englisch können, um die Einführungstexte, Briefe und Erklärungstexte zu den Bildern zu verstehen. Gegen Aufpreis gibt es auch einen Audioguide in verschiedenen Sprachen, der darüber hinaus noch Hintergrundinformationen liefert. Ich persönlich habe nie die Geduld für derartige Guides und deshalb darauf verzichtet.

Im Museum verteilt gibt es einzelne interaktive Stationen, die Van Goghs Arbeitsweise verdeutlichen. So gibt es immer wieder kleinere Rätsel zu seiner Maltechnik, die dazu einladen, einzelne Bilder ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Andere Bilder sind digital aufbereitet und zeigen die unteren Farbschichten, sodass der Unterschied deutlich wird zwischen den Farben, die Van Gogh wählte und den verblassten Farben, die wir heute sehen. Ein Perspektivrahmen lädt dazu ein, diese Methode Van Goghs zur Einteilung und Übertragung eines Motivs selbst auszuprobieren. Mit dem kleinen Unterschied, dass einem dazu ein Zeichenpad statt einer Leinwand zur Verfügung steht.

Insgesamt machte das Museum auf mich einen modernen Eindruck mit einem kreativen Ausstellungskonzept, das jedoch zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder gewollt wirkt. Als absoluter Laie habe ich hier viel über Van Gogh und seine Kunst gelernt, ohne von den Informationen erschlagen zu werden. Einen Besuch würde ich immer wieder weiterempfehlen.

Tipps für euren Besuch

Tickets für das Museum müssen im Vorfeld online für ein bestimmtes Zeitfenster gekauft werden. Entscheidend ist dabei aber nur die Einlasszeit, niemand schmeißt euch aus dem Museum, bis es schließt. Morgens und am späten Nachmittag ist wohl weniger los. Ich würde aber empfehlen, kein zu spätes Zeitfenster zu buchen. Wir waren ungefähr 2h im Museum, haben die Sonderausstellung zu Hockney ausgelassen und uns auch mit Van Goghs Bildern nicht ganz so intensiv beschäftigt, wie man es vermutlich könnte. Was ich damit sagen möchte: Plant lieber zu viel Zeit ein, als zu wenig. Die rund 20€ Eintrittspreis sollen sich schließlich lohnen. Für Studierende gibt es wohl Freitagabends ermäßigte Preise. Die Info ist auf der Webseite in den FAQ versteckt und ich habe nicht gecheckt, ob man dafür einen internationalen Studierendenausweis braucht.

Vielen Dank an das Van Gogh Museum für mein kostenloses Presseticket.
(Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: Mai 2019)

© Jan-Kees Steenman

Van Gogh Museum

Museumplein 6

1071 DJ Amsterdam

Deutschsprachige Webseite

 

Über die Kunst hinaus

Der Museumsbesuch weckte in mir ein kleines Van-Gogh-Fieber. Ich habe Texte und Filme über ihn zusammengesucht, um einen möglichst tiefen und umfangreichen Einblick in sein Leben, sein Werk und seine Wirkung zu erhalten. Doch die schiere Masse an Möglichkeiten hat mich etwas erschlagen.

Van Goghs Leben ist durch seine zahlreichen Briefe recht gut dokumentiert. Kaum zu glauben, dass seine Korrespondenz allein rund 820 Briefe umfasst, die er an andere schrieb und zusätzlich über 80, die er empfing. Im Museum gab es wie erwähnt die Möglichkeit, Vertonungen einzelner Briefe anzuhören. Schon da war ich überrascht von der literarischen Qualität, der bildhaften und fesselnden Ausdrucksweise der Briefe. Nach fünfzehn Jahren Recherche haben das Van Gogh Museum und Huygens ING online eine Sammlung der Briefe herausgegeben, die sowohl online auf Englisch als auch in Buchform sogar in deutscher Übersetzung zugänglich ist. Doch auch andere Verlage haben Briefsammlungen herausgegeben. Ich habe in die Sammlung hineingelesen, die Bodo Plachta herausgegeben hat und die im Reclam Verlag erschienen ist. Allerdings habe ich mich schnell daran gestört, dass die Korrespondenz nur einseitig dargestellt wird.

Vincent van Gogh, Letter from Vincent van Gogh to Theo van Gogh with sketch of The Potato Eaters, Nuenen, 9 April 1885, pen and ink on paper, 20.7 x 26.4 cm, Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation) Letter 492

Ausgehend von den Briefen und weiteren Recherchen haben Steven Naifeh und Gregory White Smith Van Gogh: Sein Leben herausgebracht, die als umfangreichste Biografie des Malers gilt. Mit über tausend Seiten können daran auch kaum Zweifel aufkommen. Leser*innen erhalten hier ein sehr umfangreiches Bild von Van Gogh, inklusive allen Hintergründen. So widmen sich beispielsweise ganze Kapitel der Kunstszene der Zeit oder einzelnen Menschen, die eine wichtige Rolle in Van Goghs Leben spielen. Doch mir fehlte schlichtweg die Zeit und Ruhe, mich dem gesamten Text zu widmen, weshalb es mein Plan war, nur stellenweise hineinzulesen. Dafür eignet sich diese Biografie leider nicht wirklich. Van Goghs Leben ist hier in drei Abschnitte unterteilt, die sich entsprechend mit seinen frühen Jahren, seiner Zeit in Holland und seiner Zeit in Frankreich befassen. Die Unterkapitel haben dann so blumige Titel, dass ich nicht einmal erraten kann, was sich dahinter verbirgt.

So gab ich schließlich auf, mich mit Texten von und über Van Gogh zu befassen. Denn ich hatte irgendwann das Gefühl, ich müsse einen Strich unter meine Recherchen ziehen, um mich wieder voll meiner Masterthesis widmen zu können. Doch ich komme sicher eines Tages darauf zurück. Denn wenn wir meine stichprobenhaften Lektüren eines gezeigt haben, dann dass Van Gogh ein facettenreicher, faszinierender Mensch war, der es verdient, dass man sich näher mit ihm beschäftigt.

 

Van Gogh im Film

Während ich die Texte also erstmal weglegen musste, wandte ich mich Filmen über Van Gogh zu. Die verlangen meist dann doch nach deutlich weniger Aufmerksamkeit. Wie die meisten großen Persönlichkeiten hat auch Vincent Van Gogh verschiedene Filmemacher inspiriert. Allein in den letzten zehn Jahren erschienen drei Filme, die sich um ihn drehen. Als ich diese Filme anschaute, musste ich erfreut feststellen, dass die Ansprüche dieser Filme größtenteils über die gewöhnlicher Biopics hinausgehen.

 

In Van Goghs eigenen Worten

Van Gogh: Painted with Words von Andrew Hutton erhebt gleich in den ersten Filmminuten ganz betont seinen Wahrheitsanspruch, da sämtliche Aussagen der Schauspieler Briefen an und von Van Gogh entnommen sind. Zusätzlich führt Alan Yentob durch den Film und gibt Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Lebensstationen Van Goghs. Der Künstler selbst wird von Benedict Cumberbatch gespielt. Auch wenn die äußere Ähnlichkeit auf den ersten Blick fehlt, schafft es Cumberbatch mit der von ihm gewohnten Intensität, den Maler glaubhaft zu verkörpern. Stets zwischen verschiedenen Gefühls- und Geisteszuständen schwankend, transportiert seine Darstellung aufs Eindrücklichste die Melancholie, die Euphorie und auch den Wahnsinn, die Van Goghs Worten innewohnen. So erliegt man als Zuschauer*in leicht der Illusion, einen ungefilterten Einblick in Van Goghs Seelenleben zu erhalten.

Dabei unterliegt die Auswahl der gezeigten Ereignisse und Briefe ganz klar dem dramaturgischen Ziel, Van Goghs gequälte Seite zu betonen. Beispielsweise beginnt der Film zunächst im Winter 1888, als Van Gogh sich ein Teil seines Ohrs abschneidet, bevor er zurück zu Van Goghs Kindheit springt und das Leben des Künstlers ab da chronologisch aufarbeitet. Hutton stillt so einerseits die Sensationslust der Zuschauer*innen, und hält andererseits den Eindruck von Wahrhaftigkeit aufrecht. Eben diese Gradwanderung hat es geschafft, mich für anderthalb Stunden an den Bildschirm zu fesseln, wie es Dokumentationen bei mir nur selten vermögen.

Van Gogh: Painted with Words. Regie: Andrew Hutton. 2010.

 

In Pinselstrichen

Durch seine ganz besondere und noch nie zuvor dagewesene Machart besticht Loving Vincent von Dorota Kobiela und Hugh Welchman. Insgesamt sechs Jahre dauerte die Produktion, für die die Szenen zunächst vor Blue- und Greenscreen mit Schauspielern gedreht und dann im Stil Van Goghs gemalt wurden. Über 120 Maler übertrugen dafür die Filmbilder in Ölgemälde. Originalgemälde von Van Gogh lieferten die Inspiration für die Figuren im Film und werden immer wieder als Szenenbilder aufgegriffen. Dabei wird die Handlung eher zweitrangig.

Wheatfield with Crows, 1890
© Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Der Film spielt ein Jahr nach Van Goghs Tod. Als ein letzter Brief Vincents an seinen Bruder Theo auftaucht, macht sich der junge Armand Roulin auf die Reise, ihn zu überbringen. Dabei landet er in Auvers-sur-Oise, Van Goghs letzter Lebensstation. Mit beinahe kriminalistischem Spürsinn versucht Armand, die mysteriösen Umstände von Van Goghs Tod zu klären. Erzählungen seiner Mitmenschen und Rückblenden geben dabei Einblick in Van Goghs Leben, besonders in seinen letzten Wochen. Damit baut der Film inhaltlich auf die Frage auf, die mindestens so alt ist wie die Faszination für Van Goghs Kunst: War sein Tod wirklich Selbstmord?

· Eine ausführliche Filmrezension findet ihr auf Karos Blog Fiktion fetzt ·

Loving Vincent. Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman. 2017.

 

In des Künstlers Wahrnehmung der Welt

In Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit schlüpft Willem Dafoe in die Rolle des berühmten Malers. Das Besondere hier: Die Wahrnehmung des Künstlers steht im Mittelpunkt. Regisseur Julian Schnabel ist selbst Maler – viele Aussagen, die er Van Gogh in den Mund legt, wurzeln in seinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen. So präsentiert der Film die Wahrnehmung eines Künstlers von der Welt, dargestellt in Van Gogh. Doch der Aspekt der Wahrnehmung wird auch ganz praktisch umgesetzt: Oft zeigt die Kamera nicht Van Gogh, sondern das, was Van Gogh sieht. Umgesetzt wird die Perspektive mit wackligen Bildern und abnehmender Bildschärfe am Bildrand, wie es der Wahrnehmung des menschlichen Auges entspricht.

Dieser Film ist der Grund, dass dieser Beitrag nicht schon längst erschienen ist. Denn der Film kam dieses Jahr im April im Kino und ich wollte ihn unbedingt in meine Liste mit aufnehmen. Leider habe ich es dann doch nicht ins Kino geschafft. Aber auf Jules Blog Miss Foxy reads findet ihr eine ausführliche Rezension zum Film.

· Eine ausführliche Filmrezension findet ihr auf Jules Blog Miss Foxy reads ·

Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit. Regie: Julian Schnabel. 2018.

 

In der TARDIS

Auch Doctor Who hat sich schon Van Gogh zu Eigen gemacht. Für mich ist Vincent und der Doktor eine der emotionalsten Folgen der Serie. Der Doktor und Amy reisen mit der TARDIS nach Auvers, um Van Gogh während seiner letzten Lebensmonate aufzusuchen. Natürlich geht es dabei auch um ein außerirdisches Wesen, das für Aufregung sorgt, aber das hat mich an der Folge nicht wirklich interessiert. Liegt die Stärke der Folge doch darin, eine moderne Sichtweise auf Van Goghs Leben zu entwerfen. Der Doktor und Amy repräsentieren uns alle in ihrer Faszination für Van Goghs Kunst und ihrem Wissen um seinen späteren Erfolg, aber auch seinen nahenden Tod. Indem seine unsere Gegenwart auf diese Weise aufeinanderstoßen, wird die Tragik, die seinen späten Ruhm ausmacht, besonders deutlich. Allerding bleibt die Folge im Ganzen lediglich eine nette, emotionale Hommage an den Maler. Mit Fakten wird sehr lose umgegangen und so entsteht eine Vermischung von Van Gohgs Zeit in Arles und in Auvers.

Vincent und der Doktor. Doctor Who, Staffel 5, Folge 10. Regie: Jonny Campbell. 2010.

Self-Portrait as a Painter © Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Vincent Van Gogh

  • Geboren 30. März 1853 in Zundert, Niederlande
  • Gestorben 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise, Frankreich
  • Alle seine Werke entstanden in den letzten 10 Jahren seines Lebens
  • Über 850 Gemälde und über 1000 Zeichnungen sind heute von ihm überliefert

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