Film,  Filmrezension

Midnight in Paris

Gil Pender ist ein erfolgreicher Drehbuchautor in Hollywood. Doch er träumt von einem Bohème-Leben in Paris, vorzugsweise in den goldenen Zwanzigern. Er will etwas literarisch anspruchsvolleres als Hollywoodkomödien schreiben und quält sich mit seinem ersten Roman. Seine Verlobte Inez hat dafür wenig Verständnis, kann mit seiner Künstlerseele nichts anfangen und bevorzugt das Leben in Malibu. Während eines gemeinsamen Urlaubs in Paris macht sich Gil abends allein zu einem Spaziergang auf. Als die Uhr Mitternacht schlägt hält ein Oldtimer vor ihm, dessen Insassen ihn freudig auffordern, ihn zu begleiten – geradewegs in das Paris der zwanziger Jahre. Hier trifft er auf einige seiner ganz großen Idole dieser Zeit: F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Getrude Stein, …

Meine Gedanken

Der Einstieg in den Film viel mir etwas schwer. Die Handlung bis zu Gils nächtlicher Zeitreise wird hauptsächlich von seiner Verlobten dominiert und daher – gelinde gesagt – ziemlich nervig. Hier hätte gut herausgearbeitet werden können, wie sehr Gil in seiner eigenen Zeit und seinem persönlichen Umfeld darum ringen muss, als der Künstler wahrgenommen zu werden, der er sein kann. Wirklich passiert ist das leider nicht, Gils Charakter wirkt nur still und blass. Owen Wilson, der vor allem für fast schon übertrieben komische Komödien bekannt ist, habe ich die gequälte Künstlerseele auch bis zum Ende nicht ganz abgenommen.

Sobald Gil in den Zwanzigern ankam hat es der Film doch noch geschafft, mich zu kriegen. Ich teile Gils Faszination mit den Zwanzigern (auch wenn ich sehr zufrieden bin, in unserer Gegenwart zu leben, danke) und habe mich gerne in diese Zeit entführen lassen. Ich muss zugeben, mir schwirrte irgendwann der Kopf von all den Künstlernamen die gefallen sind und von denen ich spätestens bei den Malern nicht mehr alle kannte. Keine Ahnung, ob das auf eine massive Bildungslücke meinerseits zurückzuführen ist oder ob man diese Künstlerszene intensiv kennen muss um wirklich alle Namen zuordnen zu können. Vor allem wenn Namen scheinbar ohne Grund fielen, nur um einem weiteren vorbeigehenden Gesicht scheinbar eine Bedeutung zukommen zu lassen, fühlte ich mich etwas vorgeführt.

Die Szenen, in denen Gil hingegen mit einem seiner Idole interagiert, sprühen geradezu vor ansteckender Bewunderung für diese Künstler. Als Germanistik Studentin kenne ich zwar Goethe und Schiller gefühlt auswendig, bin jedoch erschreckend wenig vertraut mit internationalen Schriftstellern. Dieser Film hat mir große Lust gemacht, wieder mehr von Fitzgerald, Hemingway oder T.S. Eliot zu lesen und mich über Gertrude Stein zu informieren. Und ich habe große Lust bekommen, nach Paris zu fahren. Denn das Besondere dieser Stadt ist in jeder einzelnen Szene spürbar.

 

Meine Empfehlung

Um diesen Film wirklich zu genießen braucht man eine gewisse Offenheit für die Künstlerszene, Verständnis für den inneren Kampf eines Schriftstellers und Kenntnis über zumindest einige Künstlernamen aus den Zwanzigern. Wer über diese Eigenschaften verfügt wird Midnight in Paris ganz bezaubernd und inspirierend finden.

 

TITEL Midnight in Paris
REGIE Woody Allen
DREHBUCH Woody Allen
LAUFZEIT 94 min
JAHR 2011

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