London: Harrods weihnachtlich beleuchtet
Reisebericht,  Unterwegs

London im Winter-Weihnachtszauber

London gehört ohne Zweifel zu den Metropolen, denen zur Adventszeit ein ganz besonderes Flair zugeschrieben wird. Nicht ohne Grund heißt es „No Place in the World does Christmas like London“. Da kann höchstens noch New York City mithalten. Mein letzter London-Urlaub war schon viel zu lange her und welchen besseren Anlass als jede Menge freie Zeit in der Weihnachtszeit könnte es geben, um mal wieder in die englische Hauptstadt zu fliegen? (Also eigentlich gab es sogar einen noch besseren Anlass: Hamilton. Aber dazu mehr in einem eigenen Beitrag).

London: Harrods weihnachtlich beleuchtet

 

Regent Street: Der Traum vom Weihnachtsshopping

Mein Traum vom Weihnachtsshopping sieht ungefähr so aus: Durch festlich geschmückte Straßen schlendern und Geschenke entdecken, die nicht nur herhalten müssen, sondern dabei irgendwie auch noch weihnachtlich sind. Natürlich ist die Szene subtil mit Weihnachtsliedern untermalt. Natürlich sehen Weihnachtseinkäufe in der Realität ganz anders aus. Ideenlos nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk suchen, sich durch überfüllte Shops quetschen und Stunden an der Kasse anstehen killt meist jegliche Weihnachtsstimmung. Da hilft es dann auch nichts mehr, wenn Mariah Carey aus den Lautsprechern ertönt.

Als ich in London die Regent Street entlang ging, kam ich meinem Traum vom Weihnachtsshopping zum ersten Mal wirklich nahe. Zugegeben, es hat extrem geholfen, dass ich nicht durch die stimmungs-killende Suche nach Geschenken abgelenkt war. Beim Anblick der riesigen Engel, die majestätisch den Nachthimmel erleuchten, wurde mir direkt ganz weihnachtlich-warm ums Herz. So wie es eben nur geschmackvolle, ganz leicht over-the-top Weihnachtsdekoration schafft.

London: Leuchtende Engel über der Regent Street
Weihnachtsengel in und um die Regent Street

Für die volle Dröhnung Weihnachts-Traum-Stress-Realität sorgt ein Besuch bei Hamleys, dem Traditions-Spielwarengeschäft in London (angeblich das älteste der Welt!). Auch wenn meine Weihnachtswünsche längst in andere Richtungen gehen, fühlt sich für mich kaum ein Geschenk so weihnachtlich an wie Spielzeug. Es muss wohl an der Vorstellung dieser leuchtenden Kinderaugen liegen. Und wenn es ein Laden versteht, diese Stimmung einzufangen, dann Hamleys mit seinen Mitarbeiter*innen im Elfenkostüm, die Spielzeuge vorführen oder zu Weihnachtsliedern tanzen. Weihnachtlicher wird die Shoppingerfahrung nicht mehr. Auch im realistischen Sinne. Denn selbst wenn die Massen in allen anderen Läden zu handhaben sind, ist es in diesem Laden ein einziges Gedränge und Gequetsche.

Etwas enttäuscht war ich insgesamt von der Weihnachtsdekoration, die es so zu kaufen gab. Ich hatte schon etwas darauf spekuliert, mir in London schöne Christbaumanhänger zu kaufen. Aber entweder billiger Kitsch (zu überhaupt nicht billigen Preisen versteht sich) ist dieses Jahr ein englischer Trend, oder die Engländer haben diese Seite an sich bisher sehr gut (vor mir zumindest) versteckt gehalten. Nein, ich möchte mir keine Ketchupflasche an den Weihnachtsbaum hängen und ich verstehe nicht so ganz, wie das überhaupt irgendwer wollen kann.

 

Ice Ice Baby

Eislaufbahnen sind zur Weihnachtszeit eine riesen Sache in London. Ich glaube, wir kamen an kaum einem Touri-Hot-Spot vorbei, an dem uns kein Schild mit „Ice Rink“ begrüßte. Leider taten uns vom ganzen Herumlaufen stets derart die Füße weh (und der Rücken und überhaupt alles), dass wir uns erst gar nicht aufs Eis gewagt haben. Das heißt aber nicht, dass wir uns keinen Moment Zeit genommen haben, zu bewundern, wie stimmungsvoll die Eislaufbahn vor dem Natural History Museum aussieht. Weihnachtlicher lässt es sich wohl kaum Eislaufen.

London: Eislaufbahn vor dem Natural History Museum
Eislaufbahn vor dem Natural History Museum (man beachte die Pinguinfamilie in der Ecke)

 

Kleine Weihnachtsmärkte überall

Weihnachtsmärkte sind eine urdeutsche Tradition. Umso interessanter ist es, wie andere Länder diese umsetzen. In London mochte ich, dass mehrere kleine Weihnachtsmärkte über die Innenstadt verteilt sind. Im Voraus hatte ich mich nicht informiert und so war es jedes Mal eine schöne Überraschung, über einen der kleinen Märkte zu stolpern. Am besten hat mir der Markt vor der National Gallery, also am Trafalgar Square gefallen. In den Reihen klassischer Holzbuden gab es zwischen all dem Essen (u.a. Bratwurst – da war die deutsche Herkunft schon extrem deutlich) sogar ein paar Stände mit Dekorationen und anderen weihnachtlichen Dingen zu entdecken.

London: Weihnachtsmarkt vor der National Gallery (Trafalgar Square)
Weihnachtsmarkt vor der National Gallery (Trafalgar Square)

Auch vor der City Hall, direkt am Themseufer, gibt es einen niedlichen kleinen Weihnachtsmarkt. Der besticht vor allem mit seinem Ausblick auf die nahe gelegene Tower Bridge.

 

Weihnachtsstimmung bei einer Fahrt in der Wilden Maus?

Habe ich eben noch von den niedlichen kleinen Weihnachtmärkten in London geschwärmt? Tja. Die Engländer können auch ganz anders. Ich präsentiere: das Winter Wonderland im Hyde Park. Ein winterliches Volksfest mit Fahrgeschäften, Eislaufbahn, Fressständen und natürlich einer Photo op mit dem Weihnachtsmann. Kurios wird das Ganze durch seinen verqueren deutschen Touch. Vom Riesenrad leuchtet den Besuchern unübersehbar das Wort München entgegen. Auch die Wilde Maus, die wohl deutscheste Achterbahn überhaupt, darf natürlich nicht fehlen. Der Stand mit den Schoko-Früchten wurde eindeutig direkt vom Hamburger Dom importiert. Zu meiner großen Enttäuschung bietet er trotzdem kein Schmalzgebäck an. Dafür kann man sich im Bavaria Village ganz nach deutscher Tradition ein Cider gönnen. (Äh… naja, egal.) Dazu schallt dann lautstark Andreas Gabalier aus den Lautsprechern. Vermutlich für das verschneite Alpen-Feeling.

London: Hyde Park Winter Wonderland
Hyde Park Winter Wonderland

Zur Verteidigung der Veranstalter: Sie preisen das Ganze weder als weihnachtlich, noch als deutsch an. Und trotzdem bleibt das Gefühl, als wäre hier etwas beim Traditions-Import in den Mixer geraten. Ich habe das mit Humor genommen und hatte selten so viel Spaß auf einem Volksfest – dabei bin ich noch nicht mal mit irgendwas gefahren.

Hinweis für den eigenen Besuch: Die Einlasskontrolle zum Winter Wonderland ist ziemlich streng. Rucksäcke und Taschen werden sehr genau durchsucht und Trinkflaschen dürfen leider nicht mit hineingenommen werden.

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