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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Die Känguru-Chroniken rund um Marc-Uwe, der mit einem kommunistischen Känguru in einer WG in Berlin lebt, haben schon einen gewissen Kultstatus. Fast jeder hat schon davon gehört und wahre Fans können ganze Geschichten auswendig zitieren.

 

Deutscher Humor mal richtig

Man kann über deutschen Humor sagen, was man will, er kommt selten gut weg. Zum Glück haben wir so ein paar Ausnahmen und Marc-Uwe Kling ist eine davon. Was er so schreibt ist richtig witzig. Dabei rutscht er jedoch nie in die Albernheit ab oder macht sich über wichtige Themen lustig, um ein paar Lacher zu ernten. Im Gegenteil. Wenn Marc-Uwe und das Känguru beispielsweise einer Gruppe Nazis mal gehörig die Meinung sagen, dann wird bei all der genialen Situationskomik und sarkastischen Sprüchen dennoch die Rassismus-Kritik überdeutlich. Für Fans der Känguru-Chroniken ist das natürlich nichts Neues und auch in Qualityland hat Marc-Uwe Kling seinen raffinierten Humor bereits unter Beweis gestellt. Mich haben die Känguru-Apokryphen eine Zeit lang jeden Tag in der S-Bahn begleitet. Man muss sich dabei natürlich der Gefahr bewusst sein, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass man immer wieder laut auflacht und damit die Aufmerksam der anderen Fahrgäste auf sich zieht. Aber dafür hatte ich dank der witzigen Geschichten sogar Montagmorgen gute Laune, als ich beim Arbeiten ankam.

 

Marc-Uwe Kling live

Bei der Lesung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2018 bekam ich schon einen ersten Vorgeschmack auf die Känguru-Apokryphen. Auch die bisherigen Geschichten kannte ich von den Hörbüchern, die immer vor Live Publikum aufgenommen wurden. Grundsätzlich höre ich eher selten Hörbücher (ich habe die Angewohnheit, dabei mit den Gedanken abzuschweifen und am Ende habe ich die Hälfte nicht mitbekommen.) Wenn, dann finde ich es aber besonders schön, wenn der Autor selbst liest – vorausgesetzt, er oder sie macht das gut. Marc-Uwe Kling, der seine Karriere auf Lesebühnen begann, ist dabei natürlich völlig in seinem Element. Das merkt man. Nur in den Momenten, in denen er gerade keine seiner Geschichten zum Besten gibt, wirkt überraschend unbeholfen auf der Bühne. Aber das macht ihn nur umso sympathischer. Vorgetragen, wenn Kling seinen Figuren seine Stimme leiht und an genau den richtigen Stellen Sprechpausen einlegt, sind die Känguru-Chroniken eindeutig am lustigsten.

Marc-Uwe Kling liest aus den Känguru-Apokryphen

 

Bonusmaterial zur Trilogie

Diese Rezension habe ich schon einige Tage vor mir hergeschoben. Denn ich wusste lange nicht so richtig, was ich schreiben soll. Die Känguru-Apokryphen sind wie der Rest der Chroniken, nur eben neu. Mit diesem Buch hat Marc-Uwe Kling keine Fortsetzung zu seiner Känguru-Trilogie geschrieben (sonst wäre es ja Trilogie mehr). Stattdessen erzählt er in diesem Band von Erlebnissen, die vor, während oder eben doch nach den Ereignissen der bisherigen Bände stattgefunden haben. Damit ergibt sich keine zusammenhängende Handlung. Einzelne Szenen beziehen sich aufeinander oder auf Geschehnisse der anderen Bände. Im Großen und Ganzen jedoch könnten die meisten Episoden jedoch zu einem beliebigen Zeitpunkt spielen. Es ist also alles genauso wie man es kennt: Der Kleinkünstler und das Känguru. Sie streiten über Aufgaben im Haushalt, sie hängen bei Herta in der Kneipe herum und sie geraten in bizarre Situationen.

Wer also wissen will, wie es nach den bisherigen Bänden weiter geht, der wird enttäuscht. Aber ich habe die Stärke der Känguru-Trilogie immer im Humor in einzelnen Situationen gesehen und nicht in der fortlaufenden Handlung. Daher halte ich diesen Bonusband für eine ziemlich geniale Lösung, weil dadurch die Trilogie nicht aufgelöst und keine eine Unendlich-Reihe daraus gemacht wurde. Darunter hätte die Qualität sicher irgendwann gelitten. Und trotzdem kommen wir so auf den Geschmack neuer Kängurugeschichten, die genauso gut sind, wie wir das gewohnt sind.

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar.

TITEL Die Känguru-Apokryphen
AUTOR Marc-Uwe Kling
VERLAG Ullstein
ERSCHEINUNGSJAHR 2018
SEITENZAHL 208
Quelle Coverbild: Webseite des Verlags (Anzeige)

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