Film,  Filmrezension

I Saw The Light

Hank Williams zählt zu den größten Countrysängern aller Zeiten, für viele gilt er sogar als der beste Künstler dieses Genres. Seine Musik inspirierte Musiker wie Johnny Cash oder Bob Dylan. Privat war sein Leben gezeichnet von Eheproblemen, Alkoholismus und Erfolgsdruck. Marc Abrahams Film verfolgt das Leben des Sängers von seinen ersten Erfolgen Anfang zwanzig bis zu seinem frühen Tod mit nur 29 Jahren.

Wenn ein Brite jodelt …

Im Musikbusiness kenne ich mich kaum aus und mit Countrymusik im Speziellen habe ich überhaupt nichts zu tun. Entsprechend sagte mir der Name Hank Williams nicht das Geringste. Mein Interesse galt ganz klar den beiden Hauptdarstellern. Denn mit Tom Hiddleston und Elizabeth Olsen standen hier gleich zwei Darsteller meiner liebsten Marvel-Charaktere zusammen vor der Kamera. Und ich konnte mir auf keinen Fall entgehen lassen, Mr. Oh-so-british in einem Südstaatenakzent singen und auch noch jodeln zu hören. Die Lieder haben Hiddleston und Olsen für diesen Film tatsächlich selbst eingesungen. Und ich bin wahrlich keine Expertin, aber ich war positiv überrascht. Für jemanden gänzlich ohne musikalische Ausbildung kann Hiddleston definitiv einen Ton halten und auch den Südstaatenakzent habe ich beiden abgekauft. Darin lag allerdings auch schon mein erstes Problem beim Schauen dieses Films. Denn obwohl ich behaupten würde, dass ich Englisch sehr gut verstehe, hatte ich stellenweise meine Probleme, den Dialogen zu folgen. Zwischenzeitig habe ich sogar auf die deutsche Tonspur umgeschalten, aber dann fehlt dem Film eindeutig das besondere Feeling, das nur der Akzent transportieren kann.

Tom Hiddleston als Hank Williams und Elozabeth Olsen als Audreyin I Saw the Light
© 2016 I Saw The Light Movie, LLC and RatPac ISTL LLC. All Rights Reserved.

 

I’m So Lonesome I Could Cry

Ich weiß nicht, warum I Saw The Light als titelgebender Song für diesen Film ausgesucht wurde. Vielleicht, weil es sich dabei wohl um eines seiner bekanntesten Lieder handelt, das behauptet zumindest der Beschreibungstext der DVD. Als tongebend für den Film würde ich hingegen Williams Song I’m So Lonesome I Could Cry beschreiben. Als Untermalung der Endcredits prägt er stark das Gefühl, mit dem der Film seine Zauschauer zurücklässt. Aber die Melancholie, die dieses Lied transportiert, zieht sich durch den gesamten Film. Es sind die stillen Szenen, in denen Hiddleston sein gesamtes Talent entfaltet und Williams innere Zerrissenheit spürbar wird, die diesen Film sehenswert machen. Williams Probleme in der Rolle als Ehemann und Vater, seine Frauengeschichten und immer stärker sein Alkoholproblem liefern genug Stoff für einige solcher Szenen.

Tom Hiddleston als Hank Williams in I Saw the Light
© 2016 I Saw The Light Movie, LLC and RatPac ISTL LLC. All Rights Reserved.

 

Wenn das wahre Leben die Handlung diktiert

Wenn ein Film von einem wahren Leben handelt, fällt es mir schwer, die richtigen Worte zur Handlung zu finden. Immerhin ist es das Leben selbst und kein Filmteam, das die Ereignisse bestimmt. Und doch besteht die künstlerische Freiheit darin, wie die Ereignisse erzählt und vor allem strukturiert werden. In dieser Hinsicht fand ich I Saw The Light äußerst schwach. Der Film behandelt in ziemlich genau zwei Stunden Spielzeit ungefähr neun Jahre aus Williams Leben. Dementsprechend gibt es einige Zeitsprünge. Datums- und Ortsangaben markieren zwar die Zeitsprünge, beziehen sich jedoch meist auf Konzerte und mir war nicht immer deren besondere Bedeutung für den Gesamtkontext klar. Private Eckdaten werden gefühlt auch mal völlig übergangen und so wirkte die Handlung insgesamt sehr sprunghaft auf mich und schaffte es nicht wirklich, mich mitzunehmen.

 

Nicht für jeden

Ich würde diesen Film nicht jedem empfehlen. Es ist keine Popcorn-Unterhaltung und auch nicht besonders spannend. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich in gewisser Weise selbst zu Grunde richtet. Brillant gespielt und damit äußerst berührend, stellenweise sogar beklemmend. Wer sich darauf einlassen kann und möchte, verzeiht dem Film sogar seinen schwachen Handlungsaufbau.

 

TITEL I Saw the Light
REGIE Marc Abraham
DREHBUCH Marc Abraham
LAUFZEIT  119 min
JAHR 2016
BUCHVORLAGE Hank Williams: The Biography von Colin Escott

2 Kommentare

  • Janika

    Liebe Sabrina,
    danke für die schöne Filmvorstellung. Ich habe bis eben gerade gar nicht gewusst, dass es diesen Film überhaupt gibt. Ich bin wie du ein großer Fan von Tom Hiddleston und werde ihn mir definitiv auf die Liste packen, auch wenn es die ein oder andere Schwäche zu geben scheint. Man kann ja auf jeden Fall einmal reingucken! 🙂
    Alles Liebe,
    Janika

    • Sabrina

      Liebe Janika,

      freut mich, dass ich dich auf den Film aufmerksam machen konnte. Als Fan von Hiddleston sollte man ihn auf jeden Fall gesehen haben!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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