Die nerven, die Briten! von Paul Hawkins
Buchrezension,  Literatur,  Sachbuch

Paul Hawkins: Die Nerven, die Briten!

Die etwas andere Gebrauchsanweisung für ein seltsames Volk – Ein Landsmann packt aus

 

Paul Hawkins ist Engländer und lebt in Berlin. Als die Briten für den Brexit stimmen, fasst er das als persönlichen Verrat auf und beginnt, an diesem Buch zu schreiben. Keine Eigenart seiner Landsleute lässt er aus, um so dem Rest Europas zu helfen, dieses teilweise etwas skurrile Volk vielleicht besser zu verstehen.

Die nerven, die Briten! von Paul Hawkins

England, meine Liebe

Großbritannien ist das Land, das uns Harry Potter, Sherlock Holmes und Doctor Who beschert hat. Shakespeare, Jane Austen, Jojo Moyes und Matt Haig sind nur eine spontane, kleine Auswahl zahlreicher phänomenaler Autoren von der Insel. Dazu bietet Großbritannien Reisenden wunderschöne Landschaften, beeindruckende Sehenswürdigkeiten und ein angenehmes Klima (ich würde leichten Dauerregen Hitze jederzeit vorziehen). Kurz: Großbritannien hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Daher war ich sofort interessiert, als ich im Bloggerportal über Die Nerven, die Briten! gestolpert bin. Ein Brite, der mir auf humorvolle Weise seine Landsleute näherbringt? Perfekt!

 

Schonungslose Abrechnung und dabei stets humorvoll

Hawkins hat sein Büchlein nach den verschiedensten Lebensbereichen und möglichen Situationen gegliedert und ein ausführliches Register sorgt zusätzlich dafür, dass jede Frage zu britischen Eigenheiten schnell beantworten werden kann. Doch wer eine Reise nach Großbritannien oder vielleicht sogar einen längeren Aufenthalt plant und sich auf den Umgang mit den Landesbewohnern vorbereiten will, ist mit diesem Werk vielleicht nicht am besten bedient. Sein Ärger über den Brexit ist ganz klar Hawkins Motivator für dieses Buch (das schreibt er selbst im Vorwort) und dementsprechend schonungslos führt er seine Landsleute vor. Es braucht nicht viel, um eine Ausführung der skurrilsten Eigenschaften der Briten in ein Gag-Feuerwerk zu verwandeln. Hawkins findet zudem stets die richtigen Worte, um aus einer humorvollen Anekdote ihr komplettes Potenzial herauszuholen. Dabei treibt er seine Ausführungen teilweise derart auf die Spitze, dass man sich stellenweise fragt, ob man in Zukunft nicht lieber einen riesen Bogen um die britischen Inseln und ihre merkwürdigen Einwohner machen sollte. Denn Hawkins erweckt den Eindruck, dass natürlich jeder einzelne Brite absolut alle der ausgeführten seltsamen Eigenschaften in sich vereint und ununterbrochen zur Schau trägt. Was der Autor hier betreibt ist Stereotypisierung auf höchstem Niveau. Wirklich vorwerfen kann ich ihm das nicht, denn genau darin liegt der ganze Spaß.

Dass es sich bei Die Nerven, die Briten! trotz seines Aufbaus in erster Linie nicht wirklich um ein hilfreiches Nachschlagewerk handelt, merkt man schnell, wenn man mehrere Kapitel gelesen hat. Sicher wäre die Kernaussage eines Kapitels auch ohne den Kontext verständlich, doch ständig werden Wortspiele und Anekdoten aus den vorherigen Kapiteln aufgegriffen. Wer also das volle Lesevergnügen ausschöpfen möchte, sollte das Buch brav von vorne bis hinten durchlesen.

Ursprünglich wurde das Buch als zweisprachige Ausgabe angekündigt und ich bin etwas enttäuscht, dass es dabei nicht geblieben ist. Insbesondere mögliche Dialoge mit und zwischen Briten, die Hawkins öfter anführt, um seine Ausführungen zu verdeutlich, hätte ich gerne in der Originalsprache gelesen.

 

Ein riesen Spaß

Unter dem Deckmantel einer „Gebrauchsanweisung“ ist Die Nerven, die Briten! eine bitterböse und dabei humorvolle Abrechnung Hawkins mit den eigenen Landsleuten. Wer Großbritannien kennt und liebt wird vieles natürlich schon kennen und vielleicht sogar in sich selbst wiedererkennen. Denn was Hawkins vergisst zu erwähnen, ist Folgendes: die Briten färben irgendwann ab, wenn man zu lange konsumiert, was sie alles liefern. Wer die Briten ohnehin nie mochte wird selbstgefällig nicken und sagen „Das habe ich mir immer schon gedacht!“. So oder so ist es ein riesen Spaß, Die Nerven, die Briten zu lesen.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal von Randomhouse für das kostenlose Rezensionsexemplar.

Die Nerven, die Briten! von Paul HawkinsTITEL Die Nerven, die Briten!
AUTOR Paul Hawkins
ÜBERSETZERIN Bettina Spangler
VERLAG Goldmann
ERSCHEINUNGSJAHR 2018
SEITENZAHL 288
Quelle Coverbild: Bloggerportal (Anzeige)

 

4 Kommentare

  • Christin

    Da klickt man ein wenig durch den Blog und landet direkt im Januar XD

    Aber das Büchlein hat auch einen Kommi verdient – bzw deine Meinung dazu – denn ich bekomme jetzt auf jeden Fall Lust mal einen genaueren Blick in das Buch zu werfen. Briten sind einfach ein feines Völkchen. Vor allem die ältere Generation (und immer so herzlich :3)

    • Sabrina

      Liebe Christin,

      ja, das passiert auf meinem Blog sehr schnell. Aber zum GLück haben Rezensionen kein Verfallsdatum.

      Freut mich, dass ich dich auf das Buch neugierig machen konnte. Die Briten sind schon was ganz Besonderes.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  • Pink Anemone

    Hallo Sabrina,
    ich bin durch das Litnetzwerk auf Deinen Blog gestoßen und als Anglophile musste ich mir natürlich Deine Rezension zu diesem Buch geben. Es klingt wirklich witzig, und seien wir uns mal ehrlich. Wir könnten über unsere Völkchen auch so einiges schreiben *g*. Das Buch landet, obwohl es mit den Engländern abrechnet, auf meine WL und vielleicht bringe ich es noch in meinem UK-Special unter.
    Ich werde noch still und leise rumstöbern, aber möchte Dir auf jeden Fall ein Kompliment für Deinen Blog aussprechen!!

    Liebe Grüße aus Wien
    Conny

    • Sabrina

      Hallo Conny,

      vielen Dank für dein Kompliment. Als Anglophile wirst du sicher viel Spaß mit diesem Buch haben und in einem UK-Special darf es ja eigentlich fast nicht fehlen. Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was Paul Hawkins (oder auch sonst wer) über unsere Völkchen zu sagen hätte.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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