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Hamburg erkunden #1: Die 10 schönsten Sehenswürdigkeiten in einer Tour

Im Juni und Juli dieses Jahres hat es mich aus meiner Heimat, dem Schwabenland, in den Norden verschlagen. Wegen eines Praktikums bin ich für zwei Monate nach Hamburg gezogen. Eine Stadt, die ich davor noch nicht kannte. Es war eine aufregende Zeit für mich, in der ich viel entdeckt, erlebt und gelernt habe.

 

Da ich noch nie zuvor in Hamburg gewesen war, nutzte ich mein erstes sonniges Wochenende erstmal dazu, das typische Touristenprogramm zu absolvieren. Relativ unvorbereitet unternahm ich einen Spaziergang durch die halbe Innenstadt, der mich an den meisten der Touristen Must-Sees vorbei führte.

 

Planten un Bloomen

Der botanische Garten Planten un Bloomen ist vielleicht nicht der offensichtlichste Startpunkt für eine Sight-Seeing-Tour. Das ergab sich auch eher zufällig, da eine meiner Mitbewohnerinnen und ich spontan beschlossen hatten, hier ein wenig herumzustreifen, bevor sie sich in Richtung der nahe gelegenen Universität begab und ich meinen Stadtspaziergang startete.

Die Parkanlage ist laut Wikipedia knapp 50 Hektar groß und erstreckt sich von der Hamburger Messe bis hin zur Reeperbahn. Da ich an dem Tag noch viel vor hatte, habe ich mir nur einen kleinen Teil angeschaut, den sogenannten Alten Botanischen Garten mit den Tropengewächshäusern. Doch der Park hat noch viel mehr zu bieten: der Rosengarten oder der Japanische Garten sind auch sehenswert. Und wer abends vorbei kommt, kann die Lichtspiele oder eines der zahlreichen Sommerkonzerte bewundern. Egal, wie lange oder in welchem Teil des Parks man sich aufhält: Planten un Bloomen ist eine grüne Ruheoase im Herzen von Hamburg, die dazu einlädt, der Hektik der Großstadt zu entfliehen.

Planten un Bloomen: S11/S21/S31: Dammtor; U1: Stephansplatz; (U3: St. Pauli)

 

Von Planten un Bloomen aus erreicht man schon nach ein paar hundert Metern den Gänsemarkt. Ein kleiner Platz umgeben von Restaurants und Shoppingmöglichkeiten, in dessen Mitte Gotthold Ephraim Lessing thront. Vom Gänsemarkt aus bummelte ich durch das Hanseviertel, bis ich schneller als gedacht auch schon die Binnenalster erreicht hatte.

 

Binnenalster

Binnen- und Außenalster sind nur durch einen Bahnübergang getrennt und bilden einen Art See mitten in der Stadt. Auf der Außenalster tummeln sich die Segelboote und am Ufer genießen Radfahrer, Jogger und Spaziergänger die leichte Seebrise. Die Binnenalster wirkt deutlich städtischer und bei gutem Wetter wird es schon mal eng, wenn es sich alle mit einem Eis oder Getränk auf den großen Treppen gemütlich gemacht haben, den Straßenmusikern zuhören und Sonne tanken.

Binnenalster
Blick auf den Jungfernstieg an der Binnenalster

Binnenalster: S1/S2/S3/U1/U2/U4: Jungfernstieg

 

Alsterarkaden & Rathaus

Vom Südwestufer der Binnenalster aus sieht man schon das Rathaus zwischen den umliegenden Häuserfronten hervorblitzen. Entlang der Kleinen Alster mit Blick auf die Alsterarkaden sind es nur wenige Schritte bis zum Rathausmarkt. Es gibt wohl nur wenige Rathäuser, die mit der Pracht und Eleganz des Hamburger Rathauses konkurrieren können. Wie zahlreiche andere Touristen habe ich die Eingangshalle und den Springbrunnen im Innenhof bewundert. Bei dem Touristenauflauf ist es schwer zu glauben, dass hier tatsächlich auch Politik betrieben wird. Es gibt übrigens auch Führungen durch das Rathaus, aber die habe ich mir für einen anderen Tag (und einen anderen Blogbeitrag) aufgehoben.

Rathaus: Rathausmarkt 1 | S1/S2/S3/U1/U2/U4: Jungfernstieg; U3: Rathaus

 

Hauptkirche St. Petri

Über die Kirche St. Petri bin ich eher zufällig gestolpert. Sie ragt hinter der Europapassage auf. Ein kleiner Infozettel im Petrishop informiert darüber, dass St. Petri nicht nur das älteste Gotteshaus in Hamburg ist, sondern auch den zweithöchsten begehbaren Turm in Deutschland hat. Da es inzwischen aber um die 30 Grad hatte und mein Kreislauf Hitze nicht ganz so gut weg steckt, entschied  ich mich, die 544 Stufen an einem kühleren Tag zu erklimmen.

St. Petri Kirche

Ein paar Wochen später war es zwar nicht kühler, aber da das Wetter keine baldige Abkühlung versprach, nahm ich den Aufstieg dennoch in Angriff. Immerhin fühlte ich mich dieses Mal frisch und ausgeruht. Der Teil des Turms, der von Gemäuer umgeben ist, war sogar angenehm kühl, erst weiter oben begann die drückende Hitze wie auf einem Dachboden. Positiv aufgefallen ist mir, wie viel Wert hier auf das Wohlergehen der Besucher gelegt wird. Nicht nur wird eine strenge Liste geführt, wie viele Besucher gerade auf dem Turm sind, um einen genauen Überblick zu behalten und im Notfall zu reagieren. Als sehr beruhigend empfand ich auch die Notfalltelefone, die in regelmäßigen Abständen angebracht sind und über die man die Mitarbeiter im Shop erreichen kann. Bei hochsommerlichen Temperaturen wartet nach dem Abstieg sogar ein Glas Wasser zur Erfrischung.

Meine Sorge wegen eventueller Kreislaufprobleme war unberechtigt. Mit kleineren Pausen, zu denen mehrere Zwischenstationen einladen, war die Turmbesichtigung kein Problem. In 123 m Höhe wurde ich dann mit einem Ausblick auf das umliegende Hamburg belohnt. Vor allem für den Anblick von Binnen- und Außenalster, sowie dem Rathaus aus der Vogelperspektive hat es sich gelohnt. Schade ist lediglich, dass die Turmspitze geschlossen und die Aussicht auf Bullaugen beschränkt ist. Außerdem ist ganz oben sehr wenig Platz und ich kann mir gut vorstellen, dass es schon bei mehr als zwei Besuchern eng werden kann. Allerdings ist hier deutlich weniger los als auf dem Michel und ich hatte die Turmspitze sogar die ganze Zeit für mich alleine.

Hauptkirche St. Petri: Bei der Petrikirche 2 | S1/S2/S3/U1/U2/U4: Jungfernstieg; U3: Rathaus

 

Chilehaus

Das Chilehaus ist ein Kontorhaus, das 2024 seinen hundertjährigen Geburtstag feiert. Den Namen verdankt das Chilehaus übrigens seinem Bauherrn, Henry B. Sloman, in Erinnerung an seinen langjährigen Aufenthalt in Südamerika. Mit seinen zehn Stockwerken war es eines der ersten Hochhäuser Hamburgs, auch wenn die Höhe heute kaum noch beeindruckt. Eher unscheinbar liegt es am Rand der Hamburger Altstadt, beinahe wäre ich vorbei gegangen. Die Details der Außenfassade sind jeoch durchaus ungewöhnlich und haben mich so doch auf das Haus aufmerksam werden lassen.

Chilehaus

Chilehaus: Fischertwiete 2A | U1: Meßberg

 

Speicherstadt mit Wasserschloss

Direkt hinter dem Chilehaus beginnt bereits die Speicherstadt. Ich habe mich sofort in die Reihen von roten Backsteinbauten und schmalen Kanäle verliebt. Bei der Speicherstadt handelt es sich um den weltgrößten historischen Lagerhauskomplex. Und nicht umsonst wurde sie zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus 2015 zum Weltkulturerbe erklärt. Ein besonderes Highlight ist natürlich das Wasserschloss, ein kleines Teehaus, das zwischen all den Lagerhäusern zum Verweilen einlädt und als beliebtes Fotomotiv Bekanntheit genießt.

Wasserschloss in der Speicherstadt: Dienerreihe 4 | U1: Meßberg; U4: Überseequartier

 

Von der Speicherstadt aus führte mich mein Weg weiter durchs Überseeboulevard mit seiner beeindruckenden Fotoausstellung zum Elbufer. Nachdem ich an der Promenade ein Franzbrötchen (unbedingt probieren!) und die Seeluft genossen habe, ging ich weiter an der Elbe entlang zur Elbphilharmonie.

 

Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie beeindruckt durch ihre ungewöhnliche Form. Für mich war sie schon vor meinem Besuch ein fester Bestandteil im Hamburger Stadtbild und mein erstes Ausflugsziel. Wer wie ich beim ersten Mal nur die „Elphi“ besuchen will, sollte auf jeden Fall von den Landungsbrücken aus die Fähre nehmen, damit sie sich in ihrer schönsten Perspektive präsentieren kann. Bei meinem Stadtrundgang kannte ich sie also schon, aber bei strahlendem Sonnenschein sieht die gläserne Fassade gleich noch viel schöner aus.

Zwischen dem Backsteinsockel und dem Glasaufbau befindet sich die Plaza. Hier gibt es neben einem Restaurant und einem Souvenirshop auch die Zugänge zum Hotel und den Konzertsälen. Die 80 m lange Rolltreppe befördert aber wohl die meisten Besucher zum Aussichtsbalkon rund um die Plaza. Der Besuch ist zwar kostenlos, um den Besucherstrom zu regeln gibt es aber dennoch Tickets. Bei schönem Wetter muss man sich hier durchaus auf lange Wartezeiten einstellen. 

Elbphilharmonie: Platz der Deutschen Einheit 1 | U3: Baumwall (Elbphilharmonie); F72: Elbphilharmonie

Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, von der Elbphilharmonie per Fähre zu den Landungsbrücken zu fahren und erst dort auf die U-Bahn zu wechseln. Wenn die vom Wasser reflektierten Sonnenstrahlen die „Elphi“ zum Glitzern bringen und mir dabei auf der Fähre die Seeluft um die Nase weht, kann ich mir Hamburg ohne sein jüngstes Wahrzeichen kaum vorstellen.

 

Weiter gehts …?

Für mich war bei den Landungsbrücken Schluss. Es war ein langer Tag bei hochsommerlichen Temperaturen. Die folgenden Sehenswürdigkeiten habe ich an anderen Tagen besucht (was sich am Wetter unschwer erkennen lässt, selbst für Hamburger Verhältnisse). Allerdings lassen sie sich wegen ihrer Lage ganz wunderbar noch an meine Tour anfügen.

 

St. Pauli Elbtunnel

Direkt bei den Landungsbrücken befindet sich der Nordeingang des St. Pauli Elbtunnel, auch als Alter Elbtunnel bekannt. Mit einer Länge von über 400 m führt die Röhre einmal unter der Elbe durch zur Elbinsel Steinwerder, auf der sich auch zwei der Stage Theater befinden. Autos können den Tunnel an Werktagen für eine kleine Gebühr vormittags Richtung Steinwerder und nachmittags Richtung St. Pauli durchfahren. Ich empfehle daher den Besuch am Wochenende oder an Feiertagen, wenn der Tunnel Fußgängern- und Radfahrern vorbehalten ist. In Steinwerder lohnt es sich, sich kurz umzusehen und die Landungsbrücken einmal vom gegenüber liegenden Ufer aus zu betrachten. Die Kuppeln an den jeweiligen Ausgängen des Tunnels  sind ebenfalls sehr sehenswert, also ruhig beim Abstieg die Treppe und nicht den Fahrstuhl nehmen.

St. Pauli Elbtunnel: Bei den St. Pauli Landungsbrücken | S1/S3/U3: Landungsbrücken

 

Hauptkirche St. Michaelis

Wer auf der Rückfahrt Richtung Hauptbahnhof nochmal kurz an der Station Stadthausbrücke aussteigt, kann die Tour mit einem Besuch des wohl berühmtesten Hamburger Wahrzeichens abrunden: Die Hauptkirche St. Michaelis, von den Hamburgern liebevoll ihr Michel genannt. Der für eine evangelische Kirche überraschend prächtige Bau gilt als die bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands.

Auch hier lohnt sich die Besichtigung des Turms. Die Aussichtsplattform auf gut 100 m Höhe kann man entweder über 452 Stufen oder bequem per Aufzug erreichen. Die Aussicht ist deutlich weniger eingeschränkt als auf dem Turm der Petrikirche, gefühlt kann man ganz Hamburg überblicken. Dafür ist der Michel alles andere als ein Geheimtipp und von Touristen überlaufen.

Hauptkirche St. Michaelis: Englische Planke 1 | S1/S3: Stadthausbrücke

 

Krameramtsstuben

Direkt unterhalb des Michel verstecken sich die ehemaligen Wohnungen verwitweter Krämerinnen im sogenannten Hofgang hinter einer unscheinbar aussehenden Gaststätte. Ich bin erstmal suchend herumgeirrt, bis ich kapiert habe, dass der vermeintliche Restauranteingang tatsächlich zu der gesuchten Sehenswürdigkeit führt. Na, fühlt sich noch jemand an die Winkelgasse erinnert? Tatsächlich ist die schmale Gasse mit ihren kleinen Läden ganz bezaubernd. Es gibt ein Antiquariat, Süßwarengeschäfte, eine Galerie, Restaurants und natürlich das Museum (dazu mehr in einem anderen Beitrag).

Krameramtsstuben: Krayenkamp 10 | S1/S3: Stadthausbrücke

 

Kurzer Hinweis zum Abschluss

Insgesamt ist diese Tour sehr ehrgeizig. Vor allem, wenn ihr die einzelnen Sehenswürdigkeiten besichtigen und nicht nur vorbei gehen wollt, solltet ihr mehr Zeit einplanen und nicht versuchen, alles an einem Tag abzuhaken. Wie ihr herauslesen konntet, habe ich die Besichtigungen zum Großteil an anderen Tagen nachgeholt. Ich fand es allerdings ganz hilfreich, die Sehenswürdigkeiten in einem einzigen Beitrag aufzuarbeiten und zu zeigen, wie sie sich ganz wunderbar miteinander verbinden lassen.  Tatsächlich bin ich die Strecke von Planten un Bloomen bis zur Elbphilharmonie komplett zu Fuß gegangen. Und vielleicht kann ich ja auch den ein oder anderen von euch dazu inspirieren, Hamburg nicht – wie das bei Großstädten so üblich ist – per Bus und Bahn zu erkunden, sondern einfach mal los zu gehen.

4 Kommentare

  • Mo

    Du hast in den zwei Monaten definitv mehr von Hamburg gesehen als ich, obwohl ich ja schon öfter verlängerte Wochenenden in Hamburg hatte – inklusive dieses Wochenende

    Ich schreib mir die Sehenswürdigkeiten aber mal auf meine To-See-Liste, die gut klingen und die ich noch nicht gesehen habe.

    Bin gespannt, was du in den anderen Artikeln schreibst.

    Wie beauftragt hab ich Hamburg übrigens einen Gruß von dir ausgerichtet – Gruß zurück

  • Karo

    Orrrr, da bekomme ich direkt große Lust auf einen Trip nach Hamburg – ein schöner Beitrag! Ich war schon ein paar mal dort und finde es immer wieder toll. Der letzte Besuch ist zwar erst ein paar Wochen her, aber das war ein Junggesellenabschied – von daher haben wir außer den Bars nicht so viel gesehen 😀 Das nächste Mal geht’s wieder an den Hafen 🙂

    • Sabrina

      Liebe Karo,

      freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat und ich dir Lust auf Hamburg gemacht habe. Klar, bei einem Junggesellenabschied interessiert sich niemand für Sehenswürdigkeiten 😀

      Liebe Grüße
      Sabrina

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