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Gilmore Girls: Ein neues Jahr

Zehn Jahre nachdem Lorelei sich mit Luke versöhnte und Rory aufbrach, um über Barack Obamas Wahlkampftour zu berichten, gewährt uns Netflix in seiner Neuauflage der Kultserie Einblicke in das jetzige Leben der Gilmore Girls. Die neue Staffel besteht aus vier Folgen in Spielfimlänge und wie die Titel unschwer erahnen lassen, zeigen die Folgen Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst die Geschehnisse eines ganzen Jahres aus dem Leben des berühmten Mutter-Tochter-Gespanns.

Hinweise zu Beginn

Ich glaube, man kann das Revival von Gilmore Girls unmöglich besprechen ohne zu spoilern … Daher an dieser Stelle eine Spoilerwarnung: Wer die neuen Folgen noch nicht gesehen hat und sich überraschen lassen will sollte auf keinen Fall weiter lesen!

Vermutlich sollte ich zu Beginn außerdem klarstellen, dass ich Gilmore Girls erst im Laufe diesen Jahres für mich entdeckt habe. Schnell war ich begeistert und die Serie wurde zu einem festen Bestandteil meiner Sonntagabende. Warten musste ich dadurch auf das Revival nicht, im Gegenteil: Das letzte Drittel der siebten Staffel habe ich mir noch im Turbogang reingezogen, sodass ich am Wochenende endlich fertig war und die neuen Folgen nicht erst lange nach allen anderen schauen musste. Ich kann also nicht nachvollziehen, wie es für langjährige Fans war, nach wirklich zehn Jahren endlich neue Folgen ihrer Lieblingsserie zu sehen.

 

Der Sprung von den alten zu den neuen Folgen fiel mir erstmal schwer

Selbstverständlich ist das letzte Jahrzehnt an den meisten der Schauspieler nicht spurlos vorbei gegangen, doch für mich kam es einer plötzlichen Alterung gleich und es dauerte etwas, mich daran zu gewöhnen. Ebenso hatte ich Probleme mit der neuen Synchronstimme im Deutschen von Emily Gilmore. Ihr fehlt der gewohnte Biss, der Emily definiert. Auf der Handlungsebene wird man ziemlich hineingeworfen in das neue Leben und ich war kurz überfordert, den Überblick zu behalten. Rory wartet auf einen wichtigen Anruf von Leuten, von denen ich noch nie gehört habe und datet einen Mann, den keiner kennt. Michelle ist verheiratet, Paris mitten in der Scheidung und Sookie hat das Hotel verlassen und lebt auf irgendeiner Farm. All diese Informationen bekommt man irgendwie nebenbei und als selbstverständlich präsentiert. Das vermittelte mir zunächst das Gefühl, wirklich zehn Jahre im Leben der Charaktere verpasst zu haben und diese rekonstruieren zu müssen. Nach und nach wurde mir allerdings klar, dass es ausgerechnet im Leben von Rory und Lorelei nicht viel zu rekonstruieren gibt. Vielmehr scheint ihr Leben zehn Jahre pausiert zu haben. Loreleis Beziehung zu Luke ist noch genau die gleiche. Zwar haben sie es geschafft, all die Jahre eine feste Beziehung aufrecht zu erhalten, sind aber weder verheiratet noch Eltern eines weiteren Kindes und auch Emily und Luke scheinen sich in der Zeit nicht aneinander gewöhnt zu haben. Auf einmal soll aber all das in Ein neues Jahr zu wichtigen Themen werden. Bei Rory ist es ähnlich, ihre berufliche Situation ähnelt der vom Ende der Originalserie. Ihr Freund Paul oder vielmehr der Umstand, dass sich nie jemand an ihn erinnern kann (auch Rory selbst vergisst ihn ständig), soll wohl für Runninggags sorgen, die ganze Situation wirkt aber sehr aufgesetzt. Vor allem, da der Fokus ihres Privatlebens eindeutig auf ihrer Affäre mit dem mittlerweile mit einer Französin verlobten Logan liegt.

 

Die Serie wurde schon immer durch ihre einzigartigen Nebenfiguren ungemein bereichert.

Es ist großartig, dass wirklich jeder wieder dabei ist. Umso mehr vermisst man Richard Gilmore in Aktion, dessen Darsteller Edward Herrmann leider vor zwei Jahren verstarb. Ganz besonders haben mir die Szenen mit Paris gefallen, diese Frau ist einfach ein Unikat und in ihrer unveränderlichen Art sorgte sie für einige großartige Momente, ich hätte gerne noch mehr von ihr gesehen. Ebenso von Jess. Ich hatte von Anfang an eine kleine Schwäche für Lukes rebellischen Neffen und was aus ihm geworden ist hat mich am meisten interessiert. Nachdem er im Trailer die größte Präsenz unter Rorys Exfreunden hatte, war ich entsprechend enttäuscht, als ich feststellen musste, dass er nicht wirklich mehr Szenen als die im Trailer hat. Vor allem von Rory wurde er ziemlich links liegen gelassen und sein „Rory-Moment“ (jeder ihrer Exfreunde hatte diesen Moment der Erinnerung in ihre alte Liebe) war leider nur einseitig. Immerhin konnte er zeigen, dass er Rory noch immer von allen (mit) am besten kennt und ihr beruflich den entscheidenden Schubs geben. Die schrägen Einwohner von Stars Hollow, allen voran natürlich Kirk und Taylor, haben das Original am besten widerspiegeln können. Kirks Mitfahrzentrale und das Festival mit internationalen Speisen erweckten in mir das Gefühl, das ich mit Stars Hollow verbinde.

 

Eine Hommage an das Original

Insgesamt wirkte Ein neues Jahr auf mich  in erster Linie wie eine Hommage an das Original, das erst in zweiter Linie eine neue Geschichte erzählen sollte: Immer wieder wurden bekannte Szenen aus den alten Folgen aufgegriffen. Fast jeder bekannte Charakter wurde bei seinem ersten Auftritt auf fast übertreibe dramatische Weise eingeführt, meist mit unerwarteten Sätzen aus dem Off und plötzlichen Perspektivwechseln. Und zu guter Letzt Rorys Buch mit dem Titel (The) Gilmore Girls.

Vermisst habe ich das Tempo des Originals. Gilmore Girls lebt von seinen schnellen Dialogen und raschen Szenenwechseln. Natürlich sind die Folgen jetzt fast doppelt so lang, aber viele Szenen wurden unnötig in die Länge gezogen oder wirkten insgesamt nur wie Füllmaterial. (Mal ehrlich, war es nötig, das gesamte Musical zu zeigen?!).

Die viel diskutierten letzten Worte haben mich nicht überrascht, sie passen perfekt in das Gesamtkonstrukt, aber sie haben mich dennoch enttäuscht. Noch so eine Sache, die ziemlich unnötig wirkt. Soll es ein offenes Ende sein, sodass sich Team Logan und Team Jess noch immer ihr Traumende erhoffen können? Oder ist es die Andeutung auf eine weitere Staffel?

 

Die Reaktionen waren gemischt

Die Reaktionen auf Twitter & Co. waren sehr unterschiedlich. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich ein eigenes Bild zu machen und mitreden zu können.

Was ist eure Meinung? Habt ihr Ein neues Jahr schon gesehen? Was hat euch daran gefallen, was nicht? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

TITEL Gilmore Girls: Ein neues Jahr
ORIGINALTITEL Gilmore Girls: A Year in the Life
REGIE Amy Sherman-Palladino, Daniel Palladino
DREHBUCH Amy Sherman-Palladino, Daniel Palladino
LAUFZEIT 4 Folgen à 88-102 min
JAHR 2016

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