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Ein Tag im Bücherhimmel mit großen Enttäuschungen | Mein erster Besuch der Frankfurter Buchmesse

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Seit ich lesen kann bin ich ein Bücherwurm, seit ich verstanden habe, wie Bücher entstehen, träume ich von einem Beruf in der Verlagsbranche. Deshalb studiere ich nun seit vier Jahren Germanistik beziehungsweise Literaturwissenschaft und seit ebenfalls vier Jahren blogge ich über Bücher. Kaum zu glauben, dass ich es zuvor noch nie auf die Frankfurter Buchmesse geschafft habe, oder? Tatsächlich kam mir zu Schulzeiten meine Unsicherheit in großen Menschenmengen und in den letzten Zeiten das Studium in die Quere. Doch dieses Jahr war es so weit: ich konnte endlich in das Mekka der deutschen Verlagsbranche fahren! In all den Jahren, in denen ich die Messe verpasst habe, wurde sie in meinem Kopf zu einem Art Bücherhimmel. Die allgemeine Vorfreude der messeerfahrenen Buchblogger auf Twitter tat ihr übrigens, dass ich einen Tag voller Bücher, Autorenmeetings und Glückseligkeit erwartete.

Ich hatte mich entschieden, erstmal nur für einen Tag hinzufahren, um es nicht gleich zu übertreiben. Ganz einfach machte ich es mir dennoch nicht. Denn anstatt mit einer Freundin zu zweit hinzufahren, habe ich kurzerhand eine Exkursion für internationale Studierende der Universität Stuttgart auf die Beine gestellt. Das hieß natürlich doppelte Organisation, zeitlich genaue Planung, Verantwortung und Stress im Vorfeld. Aber ich habe es keine Sekunde bereut. Schon gar nicht, als sich ein paar der Studierenden am Ende mit strahlenden Gesichtern für den tollen Ausflug bedankt haben. Was gibt es schöneres als kollektiv glückliche Bücherfans?

 

Bücherhimmel

Die Frankfurter Buchmesse ist ein Paradies für Bücherfans, keine Frage. Cover bewundern, neue Titel entdecken, Lieblingsbücher anderen empfehlen und in einer Ecke einfach mal paar Seiten zu lesen. All das macht die Buchmesse zum perfekten Ort, um sich mit anderen über Bücher auszutauschen und die Bücher-Wunschliste rapide ansteigen zu lassen. Ganz besonders hat mir gefallen, wie die Bücher teilweise in Szene gesetzt und die Stände gestaltet wurden. Egal ob der Baum aus Papier bei Bastei Lübbe, die riesige Eule bei Ullstein oder Bücherlampen bei Piper – die Verlage hatten sehr viele kreative Ideen.

 

Signierstunden

Besonders aufgeregt war ich vor der Buchmesse wegen drei Autoren: Cecelia Ahern, Cassandra Clare und Nicholas Sparks.
Cecelia Ahern war gleich morgens um 10 Uhr dran. Bis ich meine Reisegruppe zur Messe belgeitet und mit letzten Infos und ihren Tickets ausgestattet hatte, durch die Taschenkontrolle war und den Stand gefunden hatte, war ich leider zu spät dran. Die Schlange war bereits geschlossen. Das hat dem Start des Tages einen kleinen Dämpfer verpasst. Aber es war schließlich mein eigenes Pech und im Vorbeigehen konnte ich zumindest einen Blick auf sie erhaschen.

Nicholas Sparks und Cassandra Clare waren beide am frühen Nachmittag auf der Open Stage und anschließend nebenan im Signierzelt. Obwohl beide Signierstunden nacheinander an genau dem gleichen Ort stattfanden war schnell klar, dass man unmöglich beide besuchen kann. Meine Freundin und ich haben uns für Nicholas Sparks entschieden, standen über 1,5 Stunden in der Schlange und wurden dann weg geschickt, weil er gegangen war. So ging es nicht nur uns, sondern hunderten von anderen Fans. Das ist schade, frustrierend und vor allem unnötig. Zwischendurch sind netten Mitarbeiterinnen die Schlange abgelaufen, um Cassandra Clare Fans in die richtige Schlange zu schicken. Diese hätten die Schlange an einem Punkt schließen können und jene Fans schon früher wegschicken, die sowieso nicht mehr dran gekommen wären. Dann hätte man sich in der Zeit wenigstens wieder ins Getümmel in den Hallen stürzen können.

Blieben leider unsigniert

 

Ich war noch nie bei einer solchen Signierstunde. Mir fehlte schlichtweg die Erfahrung, einschätzen zu können, ob es sich weiter lohnt, anzustehen. Seltsam war allerdings, dass wir während der einstündigen Signierstunde gerade mal um die 5 Meter vor gerückt sind. Sicher gab es wieder der ein oder anderen Drängler. Doch als ich mir dann paar Tage später auf Twitter ansehen musste, dass jemand 12 (!) ihrer Bücher von Nicholas Sparks an diesem Tag hatte signieren lassen, hatte ich noch eine Erklärung (denn die betreffende Person war sicher nicht die einzige). Ist es nötig, in jedem einzelnen Buch die Unterschrift des Autors zu haben und damit anderen die Chance auf ein einziges Autogramm zu nehmen? Und warum wird von den Organisatoren die Anzahl der zu signierenden Bücher nicht auf ein oder zwei beschränkt? Dieses Erlebnis frustriert mich selbst noch im Nachhinein. Denn dass ich Nicholas Sparks nicht treffen konnte weder Pech noch ein Verschulden meinerseits, sondern schlichtweg schlechte Organisation und der Egoismus anderer.

 

Networking

Die Buchmesse ist ein Ort, an dem Vertreter zweier Bereiche, in die ich gerne weiter eindringen würde, versammelt sind: Verlage und Buchblogger.

Derzeit bewerbe ich mich bei verschiedenen Verlagen für Praktikumsstellen im Lektorat. Während ich mich im Internet schon ausführlich informiert habe, waren teilweise noch Fragen offen. Mir war klar, dass an den Infoständen nicht unbedingt Mitarbeiter des Lektorats und sicher nicht der Personalabteilung standen, die mir meine Fragen ausführlich beantworten könnten. Doch meine Fragen wurden teilweise nicht einmal vollständig angehört, bevor ich brüsk auf die Webseite verwiesen wurde. Im Endeffekt bin ich so schlau wie vorher und da hatte ich mir dann doch mehr erhofft.

Obwohl ich seit mittlerweile knapp vier Jahren blogge, bin ich in die Szene kaum integriert. Zunächst war Tumblr die völlig falsche Plattform für mich, doch auch seit meinem Umzug zu WordPress vor einem Jahr und intensivere Nutzung von Twitter, habe ich zwar einen besseren Überblick über die Buchbloggerszene, aber noch keine persönlichen Beziehungen aufgebaut. Wie wenig integriert ich bin führte mit die Messe deutlich vor Augen. Denn während sich die ganze Szene freute, Freunde wiederzusehen oder Twitterbekanntschaften endlich im echten Leben zu treffen, fühlte ich mich außen vor. Am Samstag war außerdem viel zu viel los, um jemandem zufällig in die Arme zu laufen. Und meine Freundin wollte ich auch nicht alleine stehen lassen, um zum Bloggertreffen zu gehen. Bei zukünftigen Messebesuchen will ich mir definitiv mehr Zeit und Möglichkeiten einräumen, andere Blogger zu treffen und bis dahin an meiner Vernetzung arbeiten.

 

Kreative Highlights

Manche Stände hatten kreative Einfälle, wie die Besucher schöne Erinnerungen an die Messe mitnehmen können. Bei Thalia zum Beispiel konnte man sich vor einem Bluescreen fotografieren lassen und das eigene Bild mit schönem Hintergrund auf ein Lesezeichen drucken lassen. Und Lesezeichen kann ein Bücherwurm bekanntlich nicht genug haben. Wer die Chance auf der Messe verpasst hat kann sich übrigens online sein Lesezeichen erstellen.

Mein persönliches Highlight war das Live Handlettering von Katja Haas. Handlettering ist zur Zeit ein Mega-Trend und entsprechende Bücher wurden auch auf der Messe vielfach angepriesen. Doch wer wie ich noch lange von der Perfektion des Handlettering entfernt ist, konnte sich von Katja Haas seinen Namen oder einen kleinen Spruch lettern lassen.

 

Wissenschaft & Bildung – Pop-up Campus

Halle 4.2 bot nicht nur eine Erholung von den Menschenmassen, sondern auch Hilfestellungen für das Studium und den Berufsstart. Ich habe mir einen Vortrag zum Thema Karrierestart nach dem Studium von Doris Brenner angehört. Obwohl viele ihrer Tipps keine Erleuchtung waren, finde ich es hilfreich, jetzt eine Liste mit Dos und Don’ts zur Hand zu haben, auf die ich bei Berufsstart zurückgreifen kann.

Als sehr hilfreich empfand ich auch das Angebot des Wissenschaftsverlags De Gruyter, Lebensläufe zu checken. Ich bin derzeit auf Praktikumssuche und die Gestaltung meines Lebenslaufs hinsichtlich Layout, Aufbau und Ausführlichkeit war ein Punkt, bei dem ich mir stets etwas unsicher war. Die freundliche Mitarbeiterin von De Gruyter hat sich wirklcih Zeit für mich genommen: Sie ist jeden Abschnitt mit mir ausführlich durchgegangen, hat hervorgehoben, was sie gut fand und Tipps für ergänzende Angaben gegeben. Jetzt kann ich meinen Lebenslauf mit mehr Selbstvertrauen an die Verlage schicken.

 

Fazit

Insgesamt waren meine Erwartungen an die Frankfurter Buchmesse wohl etwas zu hoch und die Realität entsprach nicht meinen Vorstellungen und Hoffnungen. Da war die Enttäuschung vorprogrammiert. Und obwohl ich tatsächlich etwas niedergeschlagen nach Hause gefahren bin, habe ich die Messe für mich längst nicht abgehakt. Ich habe aus meiner Erfahrung gelernt, weiß in Zukunft, was mich erwartet und kann mit den entsprechenden Erwartungen hinfahren. Vor allem werde ich meine Hoffnungen, internationale Autoren zu treffen, deutlich herunterschrauben. Außerdem habe ich gemerkt, dass ein Tag definitiv viel zu wenig ist und die Fachbesuchertage vermutlich eher meine Bedürfnisse erfüllen.

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8 Kommentare

  • Julia

    Hallo Sabrina,

    aus verschiedenen Gründen war ich auch noch nicht auf der Buchmesse. Eigentlich hatte ich es mir für dieses Jahr fest vorgenommen, aber das wird aus beruflichen Termingründen wohl wieder nichts. Aber irgendwann schaffe ich es sicher mal.

    Das mit den Signierstunden, vor allem der von Sparks war ja dann echt schlecht organisiert. Ich finde es immer ärgerlich wenn mit der Zeit anderer Menschen so achtlos umgegangen wird. Und wie man sich da 12 Bücher signieren lassen kann verstehe ich auch nicht, schon alleine weil ich gar keine Lust darauf hätte so viele Bücher den ganzen Tag mit mir rumzutragen.

    Aber schön, dass du dich nicht entmutigen lässt und dem ganzen nochmal eine Chance gibst.

    LG
    Julia

    • Sabrina

      Hallo Julia,

      schade, dass du es noch nicht auf die Messe geschafft hast. Ist echt ärgerlich, wie Termine teilweise zusammenfallen und dann hat man wieder so viele freien Wochen(enden). Aber irgendwann klappt es bestimmt!

      Ich war auch etwas ungläubig, wie viel Kilo an Büchern einige mit sich herum tragen. Klar, als Blogger kann man auf der Messe Büchertaschen (und alles andere) kostenlos an der Garderobe abgeben, das macht es sicher nochmal einfacher. Aber trotzdem muss man erstmal zur Messe und wieder nach Hause kommen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

  • Sabrina

    Liebe Ella,
    vielen Dank für deine Tipps! Erfahrungen wie mit den Signierstunden muss man wohl einfach machen, um für die Zukunft zu lernen. Leipzig kenne ich auch noch nicht, da gab es bisher auch immer Überschneidung mit dem Studium.
    Nochmal vielen Dank für die Tipps, ich werde versuchen, mich mit Kommentaren mehr einzubringen und ich tendiere sowieso schon für die Zukunft zu den Fachbesuchertagen, mit dem Presseausweis ist das ja super machbar.
    Liebe Grüße
    Sabrina

  • Emerald Notes

    Liebe Sabrina,
    danke für diesen ausführlichen und ehrlichen Beitrag zur Buchmesse. Ich habe ihn sehr interessiert gelesen und mich auch in so manchen Punkten wiedergefunden, denn für mich war es auch mein erster Buchmessebesuch. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich enttäuscht war, aber ich war vorher auch irgendwie davon ausgegangen, dass ich hinterher begeisterter über die Messe denken würde. Aber ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, dass ich da von so mancher Lesung o.Ä. mehr für mich persönlich mitgenommen habe. Allerdings mag’s ja vielleicht auch daran liegen, dass es meine erste Buchmesse und ich generell ziemlich überfordert war. Von daher ziehe ich wirklich meinen Hut vor dir, dass du da noch zusätzlich eine Exkursion auf die Beine gestellt und trotzdem dann noch so viel auf der Messe erlebt hast!
    Es tut mir übrigens sehr leid, dass das mit den Signierstunden für dich so schiefgegangen ist. Das ist ja wirklich richtig blöd gelaufen! Deinen Ärger bezüglich der Nicholas Sparks-Signierstunde kann ich aber absolut verstehen, da wäre es mir nicht anders gegangen, wenn ich umsonst angestanden wäre und dann mitgekriegt hätte, dass andere gefühlt ihr ganzes Sparks-Bücherregal signieren haben lassen – ich habe den Tweet über die 12 signierten Sparks-Bücher auch gesehen (ich nehme an, das war dieselbe Person) und finde ein solches Verhalten auch eher daneben. Ich hoffe, du bekommst irgendwann nochmal die Chance, dein Buch von ihm signieren zu lassen!
    Was das Networking angeht, ging es mir sehr ähnlich. Ich habe mich, weil ich einerseits sehr überfordert und andererseits auch ein bisschen zu feige war, auch mit keinem Blogger/Bookstagrammer getroffen bzw. auch niemanden mal eben so angesprochen. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, aber für die nächste Buchmesse gelobe ich mir ebenfalls Besserung.
    Einige Veranstaltungen des Pop Up Campus hatte ich mir im Übrigen auch notiert, allerdings überschnitten sich davon einige mit Signierstunden, die mir dann in dem Moment wichtiger waren, oder es war mir letzten Endes alles zu viel. Zu dem Karrierestart-Vortrag wollte ich zum Beispiel auch gehen und wenn ich jetzt so lese, was du darüber schreibst, bereue ich es, nicht hingegangen zu sein. Welche Dos and Donts wurden denn da u.a. vermittelt?
    Viele Grüße,
    Elena

    • Sabrina

      Liebe Elena,

      vielen Dank für dein ausführliches und verständnisvolles Kommentar.
      Freut mich, dass du etwas positivere Erfahrungen gemacht hast. Ich denke, die FBM wird so gehyped, dass sie die Erwartungen von Neulingen gar nicht erfüllen kann.
      Die Exkursion war während der Messe eigentlich ganz entspannt, denn da waren die Studis alleine unterwegs.
      Beruhigend zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die an ihren Networking-skills noch arbeiten muss. Ich wünsche dir, dass du darin ebenfalls besser wirst und die nächste Messe in der Hinsicht schon ganz anders aussieht.
      Ich hab bei dem Vortrag zum Karrierestart fleißig mitgeschrieben und kann dor gerne eine ausführlichere Mail dazu schreiben (die Adresse finde ich sicherlich auf deinem Blog? Wenn nicht schreib ich dir eine DM bei twitter), will die Inhalte nur nicht hier öffentlich teilen.

      Liebe Grüße
      Sabrina

      • Emerald Notes

        Liebe Sabrina,
        ich denke auch, dass man da als Neuling vielleicht mit etwas zu hohen Erwartungen herangeht. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass wir die nächste Messe sicherlich schon viel mehr genießen können, weil wir jetzt auch um einige Erfahrungen reicher sind und das nächste Mal hoffentlich auch schon etwas routinierter und selbstsicherer vorgehen können – und bis dahin haben wir sicherlich auch schon unsere Networking-Fähigkeiten ein bisschen ausgebaut. 😉
        Wenn dir das mit der Extranachricht bezüglich des Vortrags nicht zu viel Mühe bereitet, würde ich mich natürlich riesig darüber freuen! Und genau, meine Mail findest du auf dem Blog, aber eine DM auf Twitter geht selbstverständlich auch – je nachdem, was dir lieber ist! Schon mal tausend Dank im Voraus!!
        Viele Grüße,
        Elena

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