Belletristik,  Buchrezension,  Literatur

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby

Mit „One Day/Reckoning Text“ wurde die Poetry-Slammerin Julia Engelmann schlagartig berühmt. Eines Tages, Baby ist ihr erstes Buch mit vierzehn weiteren Slam-Texten.

Meine Gedanken
Gedichte sind echt nicht mein Ding. Was ich damit sagen will: Mit Lyrik kann man mich jagen! Versmaße interessieren mich überhaupt nicht, was der Dichter (stopp: das lyrische artikulierende Ich) fühlt ist mir auch ziemlich egal  und spätestens wenn es bis auf den allerletzten Aspekt analysiert wurde möchte ich ein Gedicht nie, nie wieder lesen müssen. Ich finde einfach keinen Zugang zu den Worten, finde mich selbst in dieser Gefühlswelt nicht wider.
Bei Texten von Julia Engelmann ist das anders. Ja, das ist auch Lyrik. Aber eben Lyrik, die von dem Leben erzählt, das ich kenne. Sie schafft es wie niemand sonst das in Worte zu packen, das unsere Generation ausmacht: Der Drang, die Welt zu sehen und alles zu erleben, aber zu faul zu sein, von der Couch aufzustehen. Wie Erwachsene behandelt werden zu wollen, aber selbst noch an der Kindheit hängen. Individuell zu sein, aber trotzdem dazugehören zu wollen. Zum ersten Mal haben mich die Inhalte von lyrischen Texten wirklich angesprochen. In vielen Dingen habe ich mich sofort wieder erkannt, Anspielungen auf Lieblingsbücher wie Harry Potter oder Das Sams haben mich zum Schmunzeln gebracht. Ich habe mir Passagen oder auch ganze Texte angestrichen, die ich unbedingt noch anderen mit auf den Weg geben will – weil sie ausdrücken, was ich fühle, ich aber nie so die Worte dafür gefunden hätte.

Eines Tages, Baby ist für mich mehr als nur eine Ansammlung von Texten, die mir sehr gut gefallen. Durch dieses kleine Büchlein habe ich zum ersten mal wirklich verstanden, was Lyrik will. Vermutlich hat es geholfen, dass niemand mich nach Versmaß und Reimschemata gefragt hat und ich nicht Punkt für Punkt aufzeigen musste, warum ich glaube, dass mit jenem Satz dies oder das ausgedrückt werden soll. Ich konnte die Texte einfach nur lesen und auf meine Art verstehen und es ist total egal, ob ich die einzige bin, die den Text genau so versteht. Weil es einzig und allein darum geht, was ich daraus für mich mitnehme.

Meine Empfehlung
Die Texte von Julia Engelmann fangen perfekt ein, was es heißt, dieser Generation anzugehören. Sie sind von einem Kind der 90er für Kinder der 90er geschrieben. Sicher können auch andere Altersgruppen etwas aus den Texten mitnehmen. Aber ich denke, es hilft, in der gleichen Lebensphase wie Julia Engelmann zu stecken und auf eine ähnliche Kindheit zurückzublicken, um sich hundert prozentig mit den Texten zu identifizieren.


//Anzeige//
Verlag: Goldmann | ISBN: 978-3-442-48232-0 | Format: Klappenbroschur | Seitenzahl: 96 | Quelle Coverbild: Webseite des Verlags

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Privacy policy

*

Ich stimme der Datenspeicherung zu