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Michael Ende: Die unendliche Geschichte

Längst zählt Die unendliche Geschichte von Michael Ende zu den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur. Seit inzwischen 40 Jahren begeistert die Geschichte rund um den Jungen Bastian Balthasar Bux, der sich in ein Buch mit dem Titel Die unendliche Geschichte vertieft. Gespannt verfolgt er die Abenteuer von Atréju, der Phantásien und seine Herrscherin, die Kindliche Kaiserin, retten soll. Als Bastian selbst Teil der unendlichen Geschichte wird, steht ihm sein eigenes Abenteuer bevor.

In diesem Jahr feierte der Roman Die unendliche Geschichte seinen 40. Geburtstag – ein schöner Anlass, ihn mal wieder in die Hand zu nehmen. Oder zum ersten Mal zu lesen. Ich muss an dieser Stelle nämlich ein Geständnis ablegen: An Bücher aus meiner Kindheit kann ich mich nur äußerst schwach erinnern – oder überhaupt nicht. Da ich früher viel einfach nur in der Bücherei ausgeliehen habe, kann mir nicht mal mein Bücherregal verraten, welche Klassiker ich gelesen habe und welche nicht. Die unendliche Geschichte war einer dieser fraglichen Titel. Nach dem Lesen bin ich was diese Frage angeht übrigens noch immer nicht schlauer. Einzelne Stellen kamen mir zwar bekannt vor, das kann aber auch gut durch die Verfilmung kommen. Es war also, als würde ich dieses Jugendbuch zum ersten Mal lesen. Und ich war begeistert.

 

Für Bücherfans, Leseratten, Bücherwürmer und Bibliophile

Jeder mit einer besonderen Beziehung zu Büchern findet sich sofort in Bastians Liebe zu Geschichten wieder. Wer hat sich nicht ebenso wie Bastian schon mal gewünscht, dass eine Geschichte niemals endet? Oder sich fragt, was in einem Buch passiert, wenn es geschlossen ist? Dabei entstehen dann so wunderschöne Zitate, wie dieses – bei denen einem das Leserherz aufgeht:

Wenn du einmal nachdenkst, dann musst du zugeben, dass alle Geschichten der Welt im Grunde nur aus sechsundzwanzig Buchstaben bestehen. Die Buchstaben sind immer die gleichen, bloß ihre Zusammensetzung wechselt. Aus den Buchstaben werden Wörter gebildet, aus den Wörtern Sätze, aus den Sätzen Kapitel und aus den Kapiteln Geschichten.

(Michael Ende: Die unendliche Geschichte. Thienemann Verlag 2004, S. 409.)

 

Eine Welt voller Fantasie

Atréjus und Bastians Reisen durch Phantásien zeichnen eine fantasievolle Welt, die wie Oz, Narnia oder Alices Wunderland zum Träumen einlädt. Phantastische Wesen – allen voran der Glücksdrache Fuchur, sind dabei mindestens genauso faszinierend wie die ungewöhnlichen Orte in Phantásien: Der Elfenbeinturm, das geheimnisvolle Orakel, und eine Wüste, die ihre Farben wechselt, sind nur ein paar davon. Ebenso beflügeln Nebenhandlungen die Fantasie. „Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.“ ist zweifelsfrei der häufigste Satz im Roman. So bleibt er stets der Leserin beziehungsweise dem Leser selbst überlassen, diese Nebenhandlungen weiterzuspinnen.

 

Geschichte mit Tiefgang

Mit Bastian Balthasar Bux hat Michael Ende einen überraschend tragischen Helden für einen Jugendroman geschaffen. Seine Rettungsmission Phantásiens wird sehr schnell zur Charakterprobe. Denn Bastian hat Probleme, aus Phantásien herauszufinden. Rein praktisch gesehen steht er vor der Herausforderung, dass das Land keine Grenzen hat. Viel mehr macht ihm jedoch zu schaffen, dass es schwer sein kann, eine Welt zu verlassen, die der eigenen Fantasie folgt. Weil es verlockender ist, sich als Held feiern zu lassen, als sich der Realität von Mobbing auf dem Schulhof zu stellen. Michael Ende hat hier ein ganz konkretes Dilemma geschaffen, das in abstrakter Form so manchem Träumer schon begegnet sein mag. Wie sich Bastian dieser Charakterprobe stellt und was er daraus lernst, gibt der Geschichte einen Tiefgang, den ich zu Beginn so nicht erwartet hätte. Zumal die Verfilmung von 1984 diesen Teil unter den Tisch fallen lässt.

TITEL Die unendliche Geschichte
AUTOR Michael Ende
VERLAG Thienemann
ERSCHEINUNGSJAHR 2004 (1979)
SEITENZAHL 475
Quelle Coverbild: Webseite des Verlags (Anzeige)

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