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Maria Ehrich & Manuel Vering: Leaving the Frame – eine Weltreise in Buch und Film

Werbung | Rezensionsexemplar

Maria Ehrich kenne ich vor allem für ihre schauspielerische Leistung in der Verfilmung der Edelsteintrilogie oder in der Ku’damm-Reihe. Dabei steht sie schon seit ihrer Kindheit vor der Kamera. Irgendwann war es Zeit für eine Pause, für den berühmten Blick über den Tellerrand. Zusammen mit ihrem Freund Manuel machte sich Maria auf Reisen. Von Beginn an gaben die beiden dem Projekt den Namen Leaving the Frame und teilten ihre Erlebnisse auf Instagram und YouTube. Inzwischen sind Buch und Kinofilm zum Projekt erschienen, und nehmen ihre Leser*innen beziehungsweise Zuschauer*innen mit auf Weltreise.

Die Welt erkundet und dabei Helden getroffen

Marias und Manuels Reise führte die beiden zunächst nach Kenia, dann nach Hawaii und Mexiko, und von dort aus einmal quer durch die USA bis nach Neufundland. Dabei haben sich die beiden nicht nur Sehenswürdigkeiten angeschaut und die Natur bestaunt, sondern sie waren ganz bewusst auf der Suche nach Menschen mit einer besonderen Geschichte.

Wir wollten auf dieser Reise Menschen finden, […] die sich für etwas einsetzen, etwas tun, etwas zurückgeben, wovon die meisten Leute auf dieser Welt gar keine Ahnung haben. Menschen, die groß denken und die Welt auf ihre Art ein bisschen besser machen […].

(Maria Ehrich: Leaving the Frame. Ullstein Taschenbuch 2019, S.17)

Auf ihrer Reise sind sie einigen dieser Menschen begegnet, von Tierschützern in Afrika bis zu einem jüdischen Künstler in New York. Ich bin froh, dass Maria und Manuel uns von den Schicksalen dieser Menschen und dem, wofür sie sich einsetzen, erzählen. Die Geschichten sind bewegend und Augen öffnend. Dabei sind Maria und Manuel an die meisten ihrer sogenannten Helden einfach so herangestolpert: eine Zufallsbekanntschaft kannte zufällig jemanden, der irgendwie interessant ist. Überhaupt ist eine der Botschaften aus Buch und Film, dass man die spannendsten Menschen nicht dank ausgiebiger Recherchen findet, sondern sie sind überall. Man muss nur mehr mit Mitmenschen sprechen, um sie zu bemerken.

Zwischen den Heldenbesuchen hatten Maria und Manuel noch genug Zeit, um auf Safari zu gehen, Nationalparks zu durchstreifen und Städte zu erkunden. Die fremden Kulturen, tierischen Begegnungen und teilweise speziellen Mahlzeiten ihrer Reise weckten immer wieder das Fernweh in mir. Und ehrlich gesagt auch etwas Neid. Denn sogar wenn ich mich mal selbst auf große Reise begeben sollte, dann vermutlich nicht so stylisch wie die beiden – in einem VW Käfer namens Heidi.

Hot Springs, California. Heidi diente nicht nur als Transportmittel, sondern dank Dachzelt auch als Schlafplatz.

 

Ein Buch geschrieben

Marias Schreibstil ist sehr lebendig, bildhaft und wirkt beinahe ungefiltert. Als Leserin kam ich mir vor, als hätte sie mich direkt mit auf die Reise genommen. Im ersten Moment wirkt dieses Mammutprojekt von monatelanger Reise und spannenden Begegnungen auf knapp dreihundert Seiten etwas kompakt zusammengefasst.  Doch sowohl den einzelnen Helden und ihrer Geschichte, als auch den Reiseetappen gibt Maria genug Raum, dass ihr Reisebericht letztlich überhaupt nicht komprimiert wirkt. Dennoch hätte ich noch ewig weiterlesen können. Es ist ein wenig ein Wechselbad der Gefühle zwischen der emotionalen Schwere, die einzelne Heldenberichte mit sich bringen, und witzigen Anekdoten und skurrilen Erlebnissen. Maria hält diesen Balanceakt das gesamte Buch durchweg, erzählt mit viel Taktgefühl und einer ordentlichen Prise Humor.

Vielleicht, weil wir ähnlich alt sind und ich mich direkt in ihr wiederfinde, wenn sie sich als Angsthase bezeichnet, wirkte Maria von der ersten Seite an sehr nahbar. Bestätigt wurde das Gefühl durch ihre Ehrlichkeit, die sie in ihrem Reisebericht an den Tag legt. Egal, ob Ängste, gescheiterte Heldenbesuche, Enttäuschungen oder Momente, in denen ihre Beziehung auf die Probe gestellt wurde: Maria teilt die negativen Seiten einer solchen Reise ebenso wie die Höhepunkte. Insgesamt ist Leaving the Frame ein Reisebericht, der Fernweh weckt, die Augen öffnet und dabei auch noch bestens unterhält.

 

Einen Film gemacht

Während die Idee zu Marias Buch erst während ihrer Reise angestoßen wurde, war von Anfang an klar, dass die beiden ihr Abenteuer filmen wollen. Zunächst teilten sie kleinere Vlogs auf ihrem YouTubekanal, doch letztlich wurde ein Kinofilm daraus. Dabei wurden die beiden von keinem Filmteam begleitet, sondern der Film  entstand komplett in Eigenregie. Stellenweise ist es kaum zu glauben, dass die eindrücklichen Aufnahmen lediglich auf einen Kameramann zurückzuführen sind: Hauptsächlich Manuels Talent mit Kamera und Drohne umzugehen, lassen diesen Film wie eine deutlich aufwendigere Produktion erscheinen.

Wie auch schon das Buch ist der Film ehrlich, emotional und richtig witzig. Teilweise kommentiert Maria das Geschehen mittels Voice-over-Kommentar und zeigt dabei die gleiche (Selbst-)Ironie wie in ihrem Schreiben. Während mich beim Lesen immer wieder das Fernweh gepackt hat, kam ich im Film kaum aus dem Gefühl heraus, die gezeigten Orte auch mal mit eigenen Augen sehen zu wollen.

Unterwegs mit Heid: Big Sur

 

Die perfekte Ergänzung

Ich hatte erst wenige Kapitel aus Leaving the Frame gelesen, als der Film ins Kino kam. Genauer gesagt: Als Maria und Manuel ihn im Rahmen ihrer Kinotour in Stuttgart vorstellten. Hinterher die beiden zu treffen und nochmal so ganz frei von der Leber weg über ihre Reise sprechen zu hören, war der perfekte Abschluss des Filmerlebnisses. Doch auch der Film alleine hätte mich schon beeindruckt und bewegt – und die Lektüre perfekt ergänzt. Marias Reisebericht funktioniert auch allein, sie beschreibt ihre Eindrücke so bildhaft, dass man als Leser*in eine ziemlich gute Vorstellung bekommt. Doch die Aufnahmen auf der Kinoleinwand sind natürlich nochmal etwas ganz anderes. Ebenso muss man nicht das Buch gelesen habe, um den Film genießen zu können.

Auch inhaltlich ergänzen sich Buch und Film. Nicht alle Erlebnisse aus dem Buch haben es in den Film geschafft und umgekehrt. Doch selbst die Reiseetappen, die doppelt sind (und das sind die meisten), bekommen durch die Kombination eine neue Komplexität. Zu Erlebnissen vom Beginn der Reise kannte ich beim Filmschauen schon Marias Gedanken aus dem Buch. Dafür erinnerte ich mich sofort an Gesichter aus dem Film bei Begegnungen später im Buch.

Vielen Dank an den Ullsteinverlag für das kostenlose Rezensionsexemplar.

 

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