Literatur

Von der Schönheit „richtiger“ Bücher und dem Komfort von E-Books

E-Books gibt es nicht erst seit gestern und doch haben sich überraschend viele Vielleser noch keine Meinung dazu gebildet. Oder sie lehnen E-Books kategorisch ab, ohne sich wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben.

 

 

Von der Schönheit „richtiger“ Bücher

„Ein richtiges Buch kann nichts ersetzen“ ist die immer gleiche Parole jener, die nicht einmal einen Gedanken an die Anschaffung eines E-Readers verschwenden. Und ich kann sie so gut verstehen. Auch ich liebe es, ein Buch in der Hand abzuwiegen, bewundernd über das Cover zu streichen und gedankenverloren durch die Seiten zu blättern. Auch ich träume von Regalen, bis an die Decke gefüllt mit Büchern, die mich in meinem Leben begleitet haben oder noch darauf warten, von mir gelesen zu werden. E-Books bietet das nicht, das stimmt. Sie können ein „richtiges“ Buch nicht ersetzen. Aber sie können eine lohnenswerte Ergänzung sein.

 

Der Komfort von E-Books und wie sie mein Leseverhalten verändert haben

Ursprünglich habe ich mich zu Beginn meines Studiums für einen E-Reader entschieden, um die zahlreichen PDFs, die ich lesen sollte nicht drucken zu müssen. Ein E-Reader war dabei die deutlich kostengünstigere Variante zu einem Tablet. Obwohl das die letzten Jahre ziemlich gut funktioniert hat, bin ich inzwischen in dieser Hinsicht doch auf ein Tablet umgestiegen.

Doch mein Leseverhalten hat sich in diesen Jahren verändert. Wenn man sowieso einen E-Reader besitzt fängt man wohl automatisch an, diesen auch für E-Books zu nutzen. Zahlreiche Bücher habe ich inzwischen auf meinem Gerät gelesen. Dabei war eine Sache immer für mich klar: Ich würde niemals Geld für ein E-Book ausgeben. Wenn ich Geld in ein Buch investiere, dann nur in eines, das ich in mein Regal stellen kann. Diese Regel habe ich nur einmal gebrochen, um für 99 Cent eine Gesamtausgabe der Sherlock Holmes Geschichten von Arthur Conan Doyle zu kaufen. Für diesen Betrag bekommt man selbst auf dem Flohmarkt nur schwer ein gebundenes Buch. Noch mehr Bücher gibt es bei jedem Onlinebuchhändler kostenlos. Auch immer mehr Büchereien bieten einzelne Werke (nur) als E-Books an.

Shakespeare, Fitzgerald, Schiller, Goethe, Hoffmann, Tolstoi, … gekauft hätte ich mir vermutlich kaum ein Werk dieser Autoren, zumindest nicht als Studentin ohne Einkommen. Aus der Bücherei ausgeliehen vermutlich auch nicht, denn wenn ich auf der Suche nach neuem Lesestoff durch die Regale streife, ist mir meistens nach einfachen Texten, in moderner Sprache, über die ich nicht nachdenken muss. Doch wenn ich mich in der S-Bahn gelangweilt durch die Büchersammlung auf meinem E-Reader klicke, wirken diese Klassiker auf einmal äußerst attraktiv. Für mich war Anna Karenina stellenweise ein Kampf. Doch in Ermangelung spaßiger Alternativen habe ich diesen Kampf Bahnfahrt um Bahnfahrt ausgefochten. Zuhause hätte ich das Buch längst weggelegt, was schade gewesen wäre.

Ich habe immer viel gelesen, aber früher nur selten unterwegs. In Autos und Bussen wird mir schlecht, wenn ich versuche, ein Buch zu lesen. Außerdem bin ich viel zu sehr darauf bedacht, dass meine Bücher keine Knicke bekommen, um sie in meine Tasche zu stopfen. Und für alles, was mehr als 200 Seiten hat, habe ich sowieso keinen Platz. Mein E-Reader hingegen ist immer mit dabei, seit ich ihn habe. Mit der Größe und dem Gewicht eines Taschenbuchs findet er immer Platz und um Eselsohren muss ich mir ebenfalls keine Sorgen machen. Und wenn ich die Schrift größer stelle, damit sich meine Augen weniger anstrengen müssen, kann ich sogar im Auto lesen.

Das ist nur ein Vorteil, den der technische Schnickschnack bietet, der in so einem E-Reader drin steckt: Lesen ohne Lichtquelle, weil das Gerät selbst leuchten kann. Markierungen und Notizen einfügen, aber später auch wieder spurlos löschen können. Ein unbekanntes Wort mit nur einem Klick nachschlagen können. Das Buch auch mal aus Versehen in die Badewanne fallen lassen können, ohne das es Schaden nimmt. Je nach Ausstattung sind E-Reader richtige Mini-Computer mit dem Ziel, uns das Lesen möglichst komfortabel zu machen.

Durch meinen E-Reader habe ich angefangen, mehr zu lesen, da ich endlich auch unterwegs lesen kann. Und ich habe angefangen, mehr Klassiker zu lesen, die ich sonst vermutlich nicht oder zumindest nicht in dieser Anzahl in die Hand genommen und zu Ende gelesen hätte. Allein dafür hat sich die Anschaffung meines E-Readers mehr als gelohnt! Nein, ein „richtiges“ Buch werden E-Books nie ersetzen können, aber sie bieten Vorteile und Möglichkeiten. Die Frage ist, was man daraus macht.

 

Wenn ich die Wahl hätte …

… würde ich nicht wählen wollen. Mein Traum ist es, jedes Buch doppelt zu besitzen. Eine „richtige“ Ausgabe für das Bücherregal und eine digitale Version zum mitnehmen.

Liebe Bücherfreunde da draußen, wie steht ihr zum Thema E-Books? Lehnt ihr sie kategorisch ab? Oder lest ihr nur noch auf eurem E-Reader? Oder habt ihr wie ich einen Mittelweg gefunden? Gerne könnt ihr von euren Erfahrungen in den Kommentaren berichten.

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3 Kommentare

  • Buchbahnhof

    Guten Morgen,
    ich liebe ebooks inzwischen, weil ich den Reader eben immer mitnehmen kann und dann eine große Auswahl an Büchern zur Verfügung habe, egal, wo ich gerade bin. Ich mag es nach wie vor auch, gedruckte Bücher im Regal zu haben. Da ich aber eigentlich kein Buch zweimal lese, würde ich mir kein ebook auch als gedrucktes Buch kaufen. Mag Ausnahmen geben, wenn es wirklich ein absolutes Lieblingsbuch wird, das will ich nicht ausschließen, aber grundsätzlich ist es mir egal, ob gedruckt oder ebook. Der Inhalt ist ja derselbe.
    LG
    Yvonne

    • Sabrina

      Hallo Yvonne,
      Ich merke gerade, dass ich mich etwas ungenau/falsch ausgedrückt habe… ich würde auch nie ein Buch zweimal kaufen, in der Hinsicht bin ich dann doch Schwabe (und Schwaben sind sehr geizig!). Mein Traum wäre, wenn man beim Kauf eines gedruckten Buches einen Code erhalten würde, mit dem sich das eBook ohne weitere Kosten herunterladen lässt. Allerdings ist mit klar, dass die Verlage da nicht mitmachen würden.
      Ganz liebe Grüße
      Sabrina

      • Buchbahnhof

        Hey Sabrina,
        ah, okay. Das war nätürlich wirklich schön. Gab es eine zeitlang ja mal in einigen Verlagen, aber wurde aus irgendeinem Grund der rechtlicher Natur war wieder abgeschafft (Buchpreisbindung, oder so). Sehr schade!
        LG
        Yvonne

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