Buchrezension,  Literatur,  Sachbuch

James Bowen: Bob, der Streuner

Als der Londoner Straßenmusiker James einen verwahrlosten Kater in seinem Hausflur entdeckt, nimmt er ihn bei sich auf und bringt ihn wieder auf die Beine. Was nur als vorübergehende Hilfe gedacht war, entwickelt sich zu einer engen Freundschaft. Bob, wie er den Kater schließlich nennt, weicht ihm fortan nicht mehr von der Seite – und verändert sein Leben.
Inzwischen sind James und Bob weit über die Grenzen Londons berühmt. Nach vier Büchern erscheint 2017 die Kinoverfilmung von Bob, der Streuner.

 

Authentisch erzählt

Die erste Autobiographie von James Bowen stand schon lange auf meiner Leseliste. Aber erst der Trailer zum Kinofilm hat mir dieses besondere Buch wieder ins Gedächtnis gerufen.

Zunächst ist mir vor allem der Schreibstil aufgefallen. Dieser ist erwartungsgemäß nicht besonders ausgefeilt. Es ist geprägt von überwiegend einfachen Hauptsätzen und einer einfachen Sprache. Die Handlung folgt im Groben den ersten drei Jahren, die James mit Bob verbringt. Vereinzelt gibt es Rückblicke auf James früheres Leben, vor allem auf die Geschehnisse, die dazu führten, dass er auf der Straße lebte. Das besondere an Bowens Schreib- und Erzählstil ist, das sie dieses Buch so authentisch werden lassen. Obwohl ich es auf deutsch gelesen habe, hatte ich das Gefühl, dass Bowen mir ganz persönlich seine Geschichte erzählt. Ohne unnötige Ausschmückungen oder eine offensichtlich von einem Lektor redigierte Ausdrucksweise.

 

Berührt und bewegt haben mich beim Lesen zwei Dinge

Zum einen Bowens offensichtliche tiefe Liebe zu seinem Kater. Ihre innige Freundschaft wurde in jedem Erlebnis der beiden deutlich. Aber darüber hinaus war es wunderschön zu lesen, wie Bowen nie müde wird, den Charakter, die Intelligenz und alles Besondere an Bob in den höchsten Tönen zu loben. Dieses Buch ist nicht nur eine Biografie, ein Bericht über die Erlebnisse der beiden – mir erschien es viel mehr wie ein Liebesbrief an Bob.

Zum anderen gewährt Bowens Geschichte einen Einblick in eine Welt, die man als Durchschnittsbürger gerne verdrängt: Das Leben auf der Straße, geprägt von echter finanzieller Not und Ärger mit Kollegen, Rowdies und Gesetzeshütern. Bowen erzählt von der psychischen Belastung, „unsichtbar“ zu sein und von dem Schamgefühl in Bezug auf falsche Entscheidungen in seiner Vergangenheit und der Erfahrung seines Drogenentzugs.

 

Nicht nur für Katzenliebhaber

Nicht nur Katzenliebhaber wird die Geschichte von James Bowen und seinem Bob berühren. Die beiden sind ein inspirierendes Team von dem man viel lernen kann über Freundschaft und über das Leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Privacy policy

*

Ich stimme der Datenspeicherung zu