Reisebericht,  Unterwegs

3 Tage Amsterdam:
Die Stadt, die Must-Sees und das Essen

Bevor ich mich die nächsten sechs Monate meiner Masterarbeit widme, hatte ich nach der Abgabe meiner letzten Hausarbeit plötzlich das Bedürfnis, weg zu fahren. Ich musste einfach mal rauskommen und für ein paar Tage etwas anderes sehen als meinen Schreibtisch oder Stuttgart und Umgebung. Relativ spontan buchte ich also zusammen mit einer Freundin einen Kurztrip in das wunderschöne Amsterdam. Insgesamt drei Tage haben wir in der Stadt verbracht, wobei der erste und letzte Tag wegen An- und Abreise etwas kürzer ausfielen. Es waren vollgepackte drei Tage, doch wir haben alles gesehen, das wir uns vorgenommen hatten.

 

Die Stadt der Grachten

Kaum ein Stadtbild ist so einprägsam wie die schmalen, hohen Häuserfronten entlang der Kanäle („Grachten“) von Amsterdam. Genau die machen die Stadt zu etwas so Besonderem. Während Städtetrips meistens bedeuten, sehenswerte Gebäude abzuklappern, sind hier ganz normale Straßen die Sehenswürdigkeit. Daher lädt Amsterdam ein, einfach nur entlang der Grachten und über die Brücken zu spazieren. Jedes Haus hat eine entzückende Eigenheit, die es zu entdecken gilt: Sei es der Giebel, eine besonders enge Haustüre oder der Winkel, in dem es sich zur Seite oder nach vorne neigt.

Wer einen schönen Ausblick auf die Stadt sucht, dem wird häufig die Aussichtsplattform des Science-Museums NEMO vorgeschlagen. Die Plattform ist von außerhalb des Museums begehbar und daher unabhängig von den Öffnungszeiten – und kostenlos. Ein riesen Plus ist die liebevolle Gestaltung mit Pflanzen und Wasserspielen für Kinder. Doch eine noch bessere Aussicht bietet praktisch nebenan die Dachterrasse der Stadtbibliothek. Für Bücherfans ist die Bibliothek sowieso einen Besuch wert. Vor allem die Abteilung für Kinderbücher fand ich besonders liebevoll gestaltet, aber auch die restlichen Stockwerke machen vor, wie eine Bibliothek modern und trotzdem einladend aussehen kann.

War es überhaupt ein richtiger Urlaub in Amsterdam ohne eine Grachtenfahrt? Die Kanäle laden förmlich dazu ein, die Stadt auf dem Wasser zu erkunden. Leider hat es bei uns etwas geregnet, als wir die Fahrt machen wollten und so haben wir uns für eines der langen, geschlossenen Touristenboote entschieden. Allerdings haben wir an den sonnigen Tagen auch viele gesehen, die sich ein Motorboot gemietet und die Grachten selbst erkundet haben. Das sah nach viel Spaß aus und ich werde mir für meinen nächsten Trip nach Amsterdam definitiv merken, dass es diese Möglichkeit gibt. Doch auch unsere typische Touri-Tour hat sich gelohnt. Mit dem Boot sieht man einfach viel mehr von der Stadt als zu Fuß, die Perspektive ist nochmal eine ganz andere und der Guide hat uns auf einige besondere Häuser aufmerksam gemacht, die uns sonst entgangen wären.

 

Die Stadt der Museen

Wenn man nach den Must-Sees von Amsterdam sucht, bekommt man höchstwahrscheinlich eine Liste von Museen präsentiert. Nicht ohne Grund trägt der Museumsplein seinen Namen: Ein Platz, um den allein sich vier Museen scharen – und auch der Rest der Stadt kann da mithalten. Egal, ob Kunst, Geschichte oder Wissenschaft – Amsterdam bietet für jeden ein Museum, auch für spezifische Interessen wie Bier, Pfeifen oder Diamanten.

Ich wusste sofort, welche zwei Museen ich besuchen wollte: Das Anne-Frank-Haus und das Van Gogh Museum. Beides sind Namen, die untrennbar mit den Niederlanden im Allgemeinen oder Amsterdam im Besonderen verbunden sind. Daher sind sie mitunter auch die größten Touristenmagnete und ein Besuch will gut geplant sein. Tickets sind für beide Museen nur online und nur für ein festgelegtes Zeitfenster erhältlich. Ein Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall. Von meinen Erfahrungen werde ich euch in zwei gesonderten Beiträgen berichten.

 

Die Stadt der Tulpen

Frühling ist Tulpenzeit und damit perfekt für einen Besuch in Amsterdam. Überall in der Stadt stehen Blumenkübel mit Tulpen in verschiedenen Farben. Da der Wind stellenweise noch ziemlich eisig war (wir hätten Handschuhe mitnehmen sollen!), war es schön, dass diese kleinen Frühlingsboten uns daran erinnert haben, dass der Winter endlich vorbei ist. Absurder Weise habe ich allerdings fast mehr Holztulpen als echte gesehen. An jeder Ecke waren die Touristen-Souvenirs zu finden.

Vor allem der Blumenmarkt in der Singel-Gracht war in der Hinsicht eine Enttäuschung. Lediglich ein Stand bot Schnittblumen, alle anderen Stände haben sich hauptsächlich auf trashige Touristensouvenirs spezialisiert. Wer ausgefallene Tulpensorten für den eigenen Garten oder Balkon sucht ist hier dafür definitiv an der richtigen Stelle! Den Zwiebelmix kann man sich dabei individuell selbst zusammenstellen. Davon hat man dann sowieso mehr als von einem Blumenstrauß. Ich bin schon sehr gespannt, ob die Tulpen auch so rauskommen, wie die Fotos am Stand es versprochen haben.

 

Die Stadt der Diamanten

Bevor ich mit der Reiseplanung begann, war mir nicht klar, dass Amsterdam als die Stadt der Diamanten gilt. Gleich zwei große Diamantenfabriken öffnen hier für Neugierige ihre Türen: Gassan Diamonds und Royal Coster Diamonds. Wir haben uns allein aufgrund der Lage für einen Besuch bei Royal Coster Diamonds entschieden. Je nach Quelle wird ihr zugeschrieben, die älteste Diamantenfabrik Amsterdams, der Niederlande, Europas oder sogar der Welt zu sein. Egal, was denn nun zutrifft, seit ihrer Gründung 1840 wurden hier einige Diamanten geschliffen. Übrigens nicht nur Schmuck des niederländischen Königshauses, sondern auch die englischen Kronjuwelen haben hier einen neuen Schliff verpasst bekommen.

„Diamonds Are a Girl’s Best Friend!“ – Aber bevor man beste Freunde wird, muss man sich erst kennenlernen und dafür ist eine der kostenlosen Führungen durch das Hauptgebäude von Royal Coster Diamond perfekt. Es erschien uns erstmal ziemlich unsinnig, über die Webseite ein (kostenloses!) Ticket zu buchen, das uns nicht einmal auf eine Zeit festlegte. Aber es half tatsächlich, dass wir am Eingang direkt durchgewunken und eine deutschsprachige Führerin für uns gefunden wurde. Da wir die einzigen Deutschen zu dem Zeitpunkt waren, bekamen wir eine ausführliche Privatführung.

Glasmodell des Royal 201

In einem Art Showroom sind Nachbildungen der englischen Krone, des hauseigenen Schliffs Royal 201 und anderen Diamanten ausgestellt. Außerdem können Mitarbeiter*innen dabei beobachtet werden, wie sie Diamanten schleifen oder in Fassungen einsetzen. Unfassbar, wie sie die winzigen Steine in eine perfekte Form bringen. In der Führung wurde uns der Prozess genau erklärt und die Geräte gezeigt. Am spannendsten fand ich, welche Faktoren den Wert eines Diamanten festlegen. Dabei habe ich endlich gelernt, wofür eigentlich Karat steht (es ist das Gewicht! Wer hätte das gedacht? 1 Karat = 0,2g). Anschließend wurden uns in einem privaten Raum noch Diamanten und Schmuckstücke in verschiedenen Größen und Schliffarten gezeigt. Mit dem Funkeln kann natürlich kein Glasstein auch nur im Entferntesten mithalten. Dieser Teil der Führung ist zwar klar darauf ausgelegt, auf ein Verkaufsgespräch hinauszulaufen. Doch obwohl bei uns eindeutig klar war, dass wir ohne Diamanten wieder gehen werden, hat sich die Mitarbeiterin trotzdem ausführlich Zeit für uns genommen.

 

Essen

Wer die Stichworte Amsterdam und Essen hört, muss unweigerlich an eines denken: Käse. Ebenso unweigerlich muss man Käse essen, wenn man in Amsterdam unterwegs ist. Das ist vermutlich der richtige Moment, um mich zu outen: Ich mag keinen Käse, außer er ist über irgendwas zerschmolzen (nur Feta oder Mozzarella mag ich trotzdem, aber zählt das überhaupt?). Trotzdem kam ich an den schnuckeligen Käseläden mit ihren bunten Käselaiben nicht vorbei. Überall in diesen Läden stehen kleine Schalen mit Probierwürfeln. Obwohl ich hinterher ganz dringend den Käsegeschmack loswerden musste, konnte selbst ich nicht widerstehen, mich durch das Sortiment zu probieren. Egal, ob nur leicht außergewöhnlichen Sorten wie Pesto oder Trüffel, oder wilde Geschmacksrichtungen wie Kokos oder Lavendel – es ist unmöglich, daran vorbeizulaufen. Falls ihr euch jetzt wundert: Ja, Lavendel-Käse schmeckt exakt so, wie Lavendel riecht.

Doch Käse ist nicht das einzige Essen, dass man in Amsterdam probiert haben sollte. Auch Bitterballen und eine Stroopwaffel gehören auf den Teller – oder in die Hand. (Nur bitte nicht zusammen!). Wikipedia beschreibt Bitterballen als „Fleischkroketten“ und das trifft es eigentlich ziemlich gut. Sie bestehen aus Ragout, das paniert und anschließend frittiert wird. Das Paniermehl außen ist schön knusprig, während die Fleischmasse innen beinahe cremig ist. Entsprechend sieht das Innenleben leider nicht besonders appetitlich aus, aber dann muss man einfach schneller essen, um es nicht mehr sehen zu müssen.

Stroopwaffeln sind zwei dünne Teigwaffeln aufeinandergelegt, mit Karamell dazwischen. Auf der Straße sind sie im Vergleich zu den Packungen im Supermarkt zwar völlig überteuert, aber dafür auch um einiges besser. Ich kann nur empfehlen, sie beim Kauf nochmal warm machen zu lassen, dann läuft einem so richtig der Sirup entgegen. Diese Waffeln sind unglaublich süß und schon eine halbe Waffel klebt einem gefühlt den Magen zusammen. Aber gerade deshalb fühlt man sich wie ein Kind, das im Süßwarenladen die eine Sache entdeckt hat, die Mama und der Zahnarzt gleichermaßen verbieten würden.

So, ich werde mir jetzt eine meiner mitgebrachten Stroopwaffeln gönnen (Tipp: auf den Toaster gelegt lassen sie sich mit der Auftaufunktion super erhitzen. Aber Vorsicht bei tropfendem Karamell!) und mich meinen Beiträgen zu Anne Frank und Van Gogh widmen.

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